Z80 Heine und Consorten.
Auch der Romancero wimmelt von echt jüdischem Spott,Hohn und ekeliger Gemeinheit über Personen und Institutionenim Christenthum. Schon beim Erscheinen dieser Mache brachtedarüber die „Weserzeitung" einige treffliche Bemerkungen, vondenen wir einige hier folgen lassein
„Das Buch macht einen unergnicklichen, übelriechenden Ein-druck trotz des duftig-romantischen Titels, der zum Inhalt paßtwie schwarzer Corduan und Goldschnitt zu einer Sammlung vonTrinkliedern. Romantik freilich durchweht die neuen Gedichte Heinesvom ersten Verse bis zum letzten, aber Romantik der allerschlech-testen Sorte, die Nomantik der jüderlichen, regel- und gesetzlosenSubjektivität, welche man sich gefallen läßt, sobald sie elegant,graziös und witzig auftritt, die aber widerwärtig wird, wenn siein den Gassenbnbentvn verfällt. Daß Heinrich Heine einmal aufdem deutschen Parnasse den Gamm repräsentirt, wissen wir längst,und wir haben, als wir den Romancero aufschlugen, nicht vondem Verfasser des Wintermärchens und des Atta Troll Schiller-scheu Adel und Goethesche Classicität erwartet, — aber über diesenGrad von literarischer Ausartung, wie er seine neueste Dichter-gabe bezeichnet, waren wir doch einigermaßen betroffen.
„Ich habe gerochen alle Gerüche
In dieser holden Erdenküche,"
sagt der Dichter in dem „Rückschau" betitelten kleinen Stücke, aberer hat uns denn auch von diesen Gerüchen keinen einzigen erspart.Wenn wir hin und wieder den süßen Duft einer vollen Rose, hinund wieder das feine Parfüm eines prickelnden Champagners oderdas edle, zauberische Aroma goldenen Rheinweines einzuathmenhaben, so scheint es, als ob dieser Genuß uns nur geboten werde,um unsere Nerven desto empfindlicher zu machen für die mephiti-scheu Gerüche, welche unmittelbar daneben von Knoblauch, ran-zigem Oel und ähnlichen unsauberen Dingen emporsteigen. Der„Romancero" ist dem deutschen Publico von dienstfertigen Schild-knappen des Verlegers oder von gutherzigen Freunden des armen,leidenden Poeten (am meisten aber durch die verjudete Presse unddie schmutzigen Handhaber derselben) mit solchen Posannentönen imvoraus angepriesen worden, daß selbst Meperbeer für eine neueOver nicht mehr Marktschreierei hätte verlangen können. „Heineist noch immer ganz der Alte!" „Heine ist fromm geworden!"„Heine ist nicht fromm geworden!" „Heines Romancero wirddiesem Dichtcrleben die Krone aufsetzen," mit solchen und ähn-lichen tantalisirenden Notizen sind wir Monate hindurch ans dasgroße Ereigniß vorbereitet worden. Jetzt endlich hat Herr Campevon der Urne voll romantischer Rosen- und Lotosdüftc, die manuns versprach, den Deckel abgehoben, und wir halten uns erschrockendie Nase zu. Freilich, Heine ist noch immer der Alte, ^ aber erist bei Weitem nicht mehr ganz der Alte. Die Atmosphäre des