358 Heine und Consorten.
Wir haben früher den Bericht von Alexander Weill, demlangjährigen Freunde Heines, gebracht, der als Augenzeugeerzählt, wie die Segnungen der befriedigten Häuslich-keit in der Nähe ausgesehen haben. Mathilde wurde in derRegel alle Montage von Heine durchgeprügelt. Und doch gibtes viele fromme Antorenseelen aus dem Alten Testament, undauch noch Cretins aus dem Neuen, welche zauberische Erzäh-lungen über diese glückliche Ehe bringen.
II. 236:
„Als Dichter der freien Liebe dachte er vorläufig nicht daran,die weltlichen Formalitäten bei Schließung einer bürgerlichen Ehezu erfüllen, noch die Sanktion der Kirche für dieselbe nachzusuchen.Solche inenAAss P!>risionns8, die in den Augen der französischenWelt fast legitimirt sind, darf man billiger Weise nicht nachdeutschem Maßstabe benrtheilen. Ehen dieser Art sind in Parisbei Künstlern ungemein häufig; die Geliebte genießt alle Rechteeiner legitimen Gattin, und nur die vertrautesten Freunde wissen,daß der bürgerliche Contraet und der Priestersegen fehlt. „Unterdeni Worte Weib," bemerkt Heine einmal in einem Briese anCampe, Ivo er von diesen: Verhältnisse spricht (Bd. XX. 139, Strodt-mann 11.236) „verstehe ich etwas Edleres, als eine durchGeldmäkler und Pfaffen angekuppelte Ehefrau."
Eingestandener Maßen hat Heine mit den Bewohnerinnenvon Freudenhäusern und mit den Directricen derselben (imunpoetischen Leben Kupplerinnen genannt) vielfachen Verkehrgehabt, er hatte bezüglich des „Änkuppelns" Erfahrungengemacht. Nun pflegen aber die Pfaffen den Männern nichtFrauen anzukuppeln, sondern die früher entweder bürgerlichvder in den betreffenden Familiencirkeln geschlossenen Ehen ein-zusegnen, ihnen die Weihe der Kirche zu geben. Der Zorngegen das sogenannte Ankuppeln ist also auch hier der Zorngegen „die alte Moral", die wie die alte Religion be-reits „in Verwesung übergegangen ist", so daß sich dieFranzosen „vor dem Verwesungsgeruch des Katholi-cismus die Nase mit dem Schnupftuch zuhalten"selbstverständlich müßten dieselben Franzosen das Schnupftuchsogleich wieder einstecken, wenn sie die BordellschilderungenHeines lesen, da duftet Alles nach Weihrauch, Nektar undAmbrosia, da sind die edleren Frauen zu Hause, im Ver-kehr mit welchen man durchaus keine Anknppelei durchPfaffen nvthwendig hat. Das sind die Repräsentantinnen