Heine und Consorten.
mit fast übertriebener Aengstlichkeit jedes unsaubere Elementaus dem Kreise seiner stillumfriedeten Häuslichkeit zu ver-bannen suchte, wie er seiner Frau nicht minder bei seinen geld-stvlzen Hamburger Verwandten, als bei seinen Pariser Freundendie schuldige Achtung* zu verschaffen weiß, und wie er nachfast zehnjähriger Ehe bei kurzer Abwesenheit Vvn Paris seinerNonotte nahezu einen Tag um den andern wie ein zärtlicher Bräu-tigam die artigsten Liebeserklärungen schreibt. Mit rührenderAufmerksamkeit bemüht er sich, sie in ihrer Strohwitwenschaft zuerheitern und von Allem, was sie intercfsiren kann, zu unkerhalten,sie jeder Sorge zu überheben, ihr alle Furcht zu benehmen, daßeine Zeile ihres unorthographischen Gekritzels in fremde Händegerathen möchte, und jeder flüchtige Gruß von ihr verletzt ihn injubelndes Entzücken u, s, w,"
So arbeitet Strodtmann noch eine gute Weile als „be-geisterter Pinsel" an dem Gemälde des ehelichen Still-lebens fort, und viele andere Lobredner Heines suchen daseheliche Leben des Dichters mit seinem Buch der Lieder inromantischen Einklang zu bringen!! Da kommt nun FreundWeill und verwischt mit einer großen Maurerqnaste das vondiesen artigen Pinseln angefertigte zauberische Familien-gemälde! Mangel an Kunstsinn!!
Dieser prosaische Weill Alexander — Wirft das Schach-brett ganz durcheinander; — Er zeigt, wie oft die feinstePoesei — Hinausgeht auf die gröbste Prügelei, — Und stattdas „Prügelgeheimniß zu wahren", — Thut er es ohne alleRücksicht offenbaren! — Es trifft ihn dafür der ästhetischeFluch, — Weil er über Heine geschrieben sein Buch, — Aberwahrscheinlich hat Weill sich gedacht, — Der Heine hat es demBörne akkurat so gemacht. — Nachdem der Börne war indie Gruft gestiegen, -— Ließ er sein Spottbuch in die Lufthinausfliegen, — Zeitweise sind sie in Eintracht geweilt, —Zeitweise haben sie sich wieder gekeilt! — Es muß im bürger-lichen und ehelichen Leben — Doch zur Unterhaltung eine Ab-wechslung geben. — An poetischen Schilderungen liegt garnichts daran, — Ich halte mich lieber an die Wirklichkeit an, —lind so Hab' ich erzählt, und zwar nicht sab rosa, — Wiedas Buch der Lieder hat geklungen in Prosa, — Ich Hab' das
* Alexander Weill liefert uns den eklatanten Beweis, auf welchesinnige Art Heine diesem „Pariser Freund" die „schuldige Achtung"vor seiner Frau zu verschassen wußte.