Heine und Consorten, -^41
So wird die Liebe besiegelt,
Wenn sie sich durchgeprügelt.
Das Allerschönste ist, daß Weill mit der kindlichsten Naivetätberichtet, wie auch er als ritterlicher Verteidiger seiner be-schimpften Gemahlin bei einem Raufexceß selber von derPrügelsuppe seinen Theil bekommen hat. Alexander Weill konntesich den Eindruck, welchen der Leser über seine Publikation em-pfinden wird, entweder dahin zurechtgelegt haben, daß er meinte,dieser Leser wird zur größten Hochachtung hingerissen werden,wenn er erfährt, in was für intimen Beziehungen er mit demDichter und mit dem commentirten Inhalt seines Buches derLieder gestanden ist, Oder eine Erklärung zum Bessern wäre -Weill wollte wirklich der Wahrheit Zeugniß geben und die en-thusiastische Damenwelt belehren, daß ein Mensch sehr wohl-klingende Liebeslicder anfertigen, in Wirklichkeit aber mit demGegenstande seiner Liebe die gräulichsten Dissonanzen aufspielenkann. Und dieser besseren Auffassung wollen wir beistimmen,es ist eine dankenswerthe Warnung,
138. Mit welchem Zaulierschleier Strodtmann das „eheliche" LevenKeines (vor der fatalen LnthüU'nng Weills) nmwoven und sich und denSeine lächerlich gemacht hat.
Was nun von der Berherrlichungs-, Verputzungs-, Parfü-mirungsbiographie zu halten ist, das ersehen wir aus derSchilderung der ehelichen Häuslichkeit Heines von Seitenseines Biographen Strodtmann
„Die im Nachlaßbandc veröffentlichten Briese Heines an seineIran gewähren uns einen interessanten Einblick in das idyllischeSchäferspiel seiner Ehe, über welche gewissenloses Zeitungs-geklatsch so viel unglimpfliehe und grundlose Ver-leumdungen in Umlauf gebracht. Jede Zeile dieses an-mnthig kosenden Geplauders belehrt uns, daß Heine sich inder leidenschaftlichen, oft bis zur drolligsten Eifersucht gesteigertenLiebe zudem schlichten, weltunerfahrencn, grundgutmüthigen Natur-kind Mathilde herzinnig beglückt fühlte. Wir sehen, wie er
5 „ Heines Leben und Werke", von Strodtmcinn. Berlin 1874. 2. Bd.2. Auflage, S. 3Nö,