Heine und Consorteu.
S. 155 sagt die Nichte:
„Heinrich Heine wird stets unsterblich bleiben, denn wannwird Deutschland je wieder so einen erhabenen, glorreichen, an-ziehenden Dichter aufweisen können? Diejenigen, welche sein Ver-dienst schmälern wollen und ihn nicht zu schätzen wissen, mögensie ewig vergessen sein!"
Dieser Schluß, au diejenigen Unglücklichen gerichtet, welcheüber die Erhabenheit und den Glorienreichthum Heines einBedenken nicht verscheuchen können, ist doch gar zu grausam,er erinnert au Flüche, die im Ghetto geläufig sind, wie z, B,:„Sollst du verschwarzen, Staner sollen wachsen in deinem Bauch,Gras soll wachsen vor deiner Thür" in s, w„ wie sie heißen alledie frommen Segenswünsche aus dem modernen Israel. Hierist auf einmal die Jüdin mit der Principessa durchgegangen:„Mögen sie für ewig vergessen sein!"
Wäre Heines Leben mit ein wenig Bescheidenheit gelobt undnach dem Leben mit ein wenig Bescheidenheit abgefaßt worden,der arme, kranke, leidende Mensch hätte ein aufrichtiges Er-barmen hervorrufen müssen. Was z. B. der arme Mensch inseinem Jammer für einen Trost in dem Ruhme finden kann,„den Kelch der Freuden und des Genusses bis auf dieHefe geleert zu haben", das ist für Jeden — und ständeer auch schon an den äußersten Grenzen christlichen religiösenBewußtseins — ein ungelöstes Räthsel. — Derlei Trostgründekönnen doch den Stachel des Todes nur noch tiefer in dieTodeswunde hineintreiben, statt seinen bitteren Todesschmerzerträglicher zu machen. Bei Werthschätzung von Dichternund von Menschen überhaupt gibt es keinen Zwangs-cours, und Achtung läßt sich nicht befehlen, sie wirdfreiwillig dem sittlichen und ehrenhaften Charaktergezollt, nicht für die freche Liederlichkeit mit Gewalterzwungen. Wenn die Nichte ihrem Onkel eine stille Ver-ehrung zollt, so ist das Familiensache, in die Niemand etwasdareinreden wird, wenn aber diese Nichte ihr Urtheil demLesepublikum aufdringen will, so wird Protest eingelegt vonSeiten des Lesepublikums, denn dieses läßt weder sich, nochsein Urtheil vernichten. Wann wird Deutschland wieder einenso erhabenen, glorreichen, anziehenden Dichter aufweisenkönnen? Wehe denen, die sein Verdienst schmälern wollen undihn nickt zu schätzen wissen!!!