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Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
331
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Heine und Consortcn. 331

und freundlich, ließ jedoch seinen Sarkasmen freien Lauf, und trotzKrankheit, der Auflösung nahe, verschonte er Niemand, wenn ihmeine Spötterei oder eine Bosheit einfiel. Alfred Meißner, GrafAuersperg, Hiller, I. Lehmann besuchten ihn oft und hingen anseinen Lippen, einen Scherz oder ein geistreiches Wort zu erhaschen.Oft durch unerträgliche Leiden gereizt, fast, als ob er sich an derMenschheit rächen wollte, erzählte er seinen Besuchern mit demgrößten Ernste Dinge, die er den andern Tag bestritt oder wider-rief. Dies mag der Grund sein, daß sich so viele Jrrthümer imPublikum verbreiteten, und auch die Ursache, daß sonst glaub-würdige Schriftsteller sichtlich von einander abweichen. Einst sagteer scherzend zu einem zudringlichen Besucher: „Es wird noch Modewerden, daß die deutschen Schriftsteller zu mir pilgern, wie dieMohammedaner nach Mekka. Und dabei sagen sie, daß ich keineReligion habe. Das ist kurioser Weise das Ende von mir, daßich zuletzt wie eine Reliquie betrachtet werde.""

1854 besuchte ihn die Nichte in Paris. Sie berichtethierüber:

„Tritt näher, liebes Kind", sagte er mir mit schwacher Stimme,„damit ich Dich besser sehen kann, hier dicht neben mich." Undmit seiner schönen, weißen Hand hob er das Augenlid empor,um zu sehen, ob ich meiner Mutter ähnlich sei. Ich erkannte ihnkaum, so verändert fand ich ihn, und Thränen verhinderten micham Sprechen. Die Lähmung der Augenlider verbargen ihm meinenSchmerz und meine Thränen, die mir unbewußt über die Wangenrollten. Er bemerkte jedoch am Ton meiner Stimme, wie bewegtich mar. „Warum trauerst Du, liebes Kind? Habe ich nichtAlles genossen, was nur ein Mensch genießen kann?Ich lebe in der Erinnerung vergangener Zeiten, und unter bitterenTagen finde ich auch viele angenehme, denn ich habe den Kelchder Freude und des Genusses bis auf die Hefe geleert."

Diese zur Prineipessa verurtheilte Frau Emden hat inihrer National- und Familienverblendung gar keine Ahnung,was ihre Schilderung dieses verbrauchten, mit seinem Lebens-wandel auch auf dem Schmerzenslager sich rühmenden Indi-viduums auf die Leser für einen ekeligen Eindruck machen muß.Sie erzählt weiter S. 154:

„Am Sonntage nin 4 Uhr Morgens, den 17. Februar 185L,sprach er noch ruhig niit seiner Wärterin, um 5 Uhr schlief er ruhigein zu einem besseren Erwachen. Mathilde, die Freundin, die erso sehr geliebt hatte, schloß ihm nicht die Augen zu und war auchnicht an seiner Seite. Ohne den Trost, ein Mitglied seiner Fa-milie bei sich zu haben, rang er allein den Todeskampf. Mathildehatte sich ruhig und sorglos schlafen gelegt und sah ihren Gattennur als Leiche wieder."