272 Heine und Consortcn.
Hören wir Strodtmann (II. 379):
„In diesem Sinne schreibt nuch der Fürst Pückler in einemBriefe vom Herbst 1851 einmal an Heine: „In der That, ver-ehrter Dichter, ich hätte mehr Glauben an Sie, der vielleicht nuraus Verdruß, die Wahrheit nirgends finden zu können, zum Spötterüber Alles geworden, als an irgend einem katholischen, protestan-tischen oder jüdischen Pfaffen, der von der Wahrheit sagen kann,wie jener Wüstling von der Liebe: „üs no Isis pas l'amonr, jsl'neböts tont kait."" — — —
Auffallend ist, wie hier Pückler von jenem Wüstling redet;als ob seine von der jungfräulichen Ludmilla in die Welthinausgedufteten Memoiren in 7 Bänden von dem heiligenLeben und den sonstigen Tugenden Pückler-Muskaus einen er-baulichen Bericht erstattet hätten.
Das hat sich doch Pückler-Muskau in seinen hochmütigstenStunden nicht einfallen und nicht träumen lassen, daß er einmalvon einem andern (freilich eben so großen Theologen, wie erselber) als eine Autorität in Religiowsfragen bei denHaaren herbeigezogen werden würde,
Strodtmann sucht nun die Religiösität Heines eben ausseinen haßerfüllten Aeußerungen gegen das Christenthum zubeweisen. Er fährt über Heine fort:
„Niemand verfolgt mit erbarmungslosem Haß, was ihm gleich-gültig ist, und in der That haben wir gesehen, daß Heine sichsein Leben lang angelegentlich mit Religions- und philosophischenFragen beschäftigt. In seinen Liedern und Dramen, in seinenReisebildern und Salonaufsätzen, überall ist es die große Gottes-frage, deren endgültige Lösung ihm als das wichtigste Problemder Menschheit erscheint. Er sucht diese Lösung bei Hegel, bei denSaint-Simonisten, in einem poetisch verklärten Pantheismus, erbebt schaudernd vor dem Gedanken des Atheismus zurück, undda ihm die Menschwerdung Gottes eine Fabel dünkt,proklamirt er nun, auf jeden Fall die Gottheit zu retten, dieGottwerdnng des Menschen als das Ziel aller Entwicklung,"
„Heine proklamirt nun, auf jeden Fall die Gott-heit zu retten, die Gottwerdung des Menschen als das Zielaller Entwicklung!"
eigenen, theils ans den Aufschreibungen seiner Freunde geschildert in:„Allerhand Tugendbolde aus der Aufklärnngsgilde, Gegen den Willenihrer Verehrer ins rechte Licht gestellt," Von Seb, Brunner, Paderborn,Schöningh, 1338, S, 283—396,