Druckschrift 
Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
270
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Heine und Consorten.

habe, unserer obigen Behauptung gewissermaßen ein Dementi er-theilt, so ist der Widerspruch nur ein scheinbarer* Demallerdings gedenken wir nicht in Abrede zu stellen, daß die religiöseUmwandlung des Dichters, wenn auch erheblich durch die Qualund Vereinsamung des Krankenbettes gefördert, Zugleich in derganzen geistigen Anlage Heines ihren natürlichen Stützpunkthat,** So paradox der Ausspruch Manchem klingen niag, Heinewar von jeher ein religiöses Gemüth, und der Spott, mitwelchem er die kirchlichen Dogmen aller Confessiouen befehdete,entfloß keineswegs allein einer satyrischen Laune, sondern ebenso sehr dem geheimen Schmerz, in ihnen keine Befriedigungseines religiösen Bedürfnisses zu finden."

Das ist ja schon wieder eine prächtige Vorlage für einenVertheidiger in Strafsachen, der einen großen Dieb und Be-trüger bei der Schlußverhandlnng durch seine Deklamationreinzuwaschen gedenkt. Er könnte im gleichen Sinn (oderUnsinn) sagen:

„Meine Herren Geschwornen! Obwohl es nicht mehrbestritten werden kann, daß mein Pflegebefohlener einer dergrößten Diebe und Gauner ist unter denen, welche die Ehregehabt haben, vor diesem hohen Gerichtshofe zu stehen, so mußich Ihnen doch die Erklärung machen, daß er in seinem ganzenLeben ein höchst sittlicher Mensch, ein wahres Mustervon Moral gewesen ist; seine Diebstähle und Gaunereiensind nicht dem Hang zur Aneignung fremden Eigenthums ent-sprossen, und der Hohn und die Unverschämtheit, mit welcher erbisher allen Sittengesetzen und allen Staatsgesetzen entgegen-getreten, ist keineswegs allein seinen diebischen Gelüsten zuzu-schreiben, sondern dem geheimen Schmerz, „in allen diesenpositiven Moralgesetzen keine Befriedigung seinesmoralischen Bedürfnisses zu finden."

O dieser geheime Schmerz! Und wie dieser öffentlicheStrodtmann so sehr in diese geheimen Schmerzen Heines

* Der Widerspruch ist gar kein scheinbarer, sondern ein logisch be-gründeter. Mit Kölnerwasser wird der Dust Hcine'scher Sprachenicht gedämpft; dieser arge Uebclgeruch ist durch große, volle Fässer vonCarbolsäure nicht niederzuschlagen.

** Wie ist das philosophisch gedacht und stylisirt: die geistige An-lage ist ein natürlicher Stützpunkt. Dann wäre eine natürlicheAnlage ein geistiger Stützpunkt. Wenn das, logisch und philosophisch

betrachtet, nicht ein hochgradiger Blödsinn ist, so ist es wenigstens,

wie Strodtmann verschämt zugesteht, „paradox klingend"!