Heine und Consorten, 259
einmal Ehrfurcht vor mir — aber so muß er sein, sonst könnteer sein Tagewerk nicht vollenden!"
Allerliebste Bescheidenheit!! 1. Gutzkow ist irreligiös, 2. esfehlt ihm der heilige Schauer, den man vor den großen Männern,den Repräsentanten des heiligen Geistes, haben soll,
Z. er hat nicht einmal Ehrfurcht vor mir. Welche
Abirrung von der Thatsache! Heine manifestirt sich zu tausendMalen als den Repräsentanten des unheiligen Fleischesim Schreiben und Leben, und hier will er den blöden Goyimweismachen, er fei ein Repräsentant des heiligen Geistes-ein Unicum in der Kirchengeschichte. Ein moralisch und Physischabgenutzter und verbrauchter Judenjüngling macht sich in seinemGrößenwahn zu einem Repräsentanten des heiligen Geistes. —Man kann sich diese Wahngedanken nur dahin auslegen:Heine, der seinen Witz für unwiderstehlich hielt, machtehier einen Versuch, den heiligen Geist über seinen Witz zumLachen zu bewegen.
Es dauerte nicht lange, bis Heine die Unglücklichen (darunterLaube und Gutzkow), weil sie ihn nicht für einen Repräsen-tanten des heiligen Geistes hielten und keinen heiligen Schauer,keine Ehrfurcht vor ihm hatten, zu verschimpfen anfing. Ersprach dem Gutzkow alles Gemüth und alle Poesie ab, nannteihn (Bd. XXII, S. 220)
„einen Bedienten der Tagesidee, der beständig auf der Lauerliege, um die Tagsschwächen des Publikums zu erspähen, sie inseinem Privatinteresse auszubeuten" u. s. w. u. s. w.
Auch bedeutende, ebenfalls sehr radikale Schriftsteller gingennun gegen Heine los. Strodtmann (II. S. 207) führt z. B.Spazier an, der den Heine trotz seines Schwindels, er sei einVorkämpfer protestantischer Denkfreiheit, an seinejüdische Abkunft erinnerte und seine ganze schriftstellerische Eigen-thümlichkeit vorwiegend aus den Einflüssen des Juden-thums hervorgegangen bezeichnete. Die Juden selber,die zumeist ihre Urtheile nach Geschäftsbedarf einrichten,nahmen den Ruhm Heines für sich in Anspruch, wie dieRabbiner Grätz und Philippson. Grätz behauptet, Heine istimmer ein wahrer Talmudjude gewesen, der sich nur taufenließ, um listiger Weise den Gegner (das Christenthum) um-somehr vernichten zu können.