Druckschrift 
Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
249
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Heine und Consortcn,

die Juden ganz offen, durch Verwendung von Christenblut znihrem Osterfeste wieder einmal den Talmud zur Geltung gebrachtzu haben. Andererseits machte der Lohnkutscher, bei dem manden Leichnam entdeckt hatte, kein Hehl daraus, daß drei Tagevorher Regina und mehrere Juden gekommen seien, um zweiWagen für eine Spazierfahrt zu miethen, und daß, während erseine Pferde in Bereitschaft setzte, eines der großen Packete, dasdie Spazierfahrer mitgebracht hätten, verschwunden sei. Auch dieSpazierfahrt selbst sei ihm ob ihrer Kürze ganz unbegreiflich vor-gekommen.

Der Wali war aber niit der Sache nicht zufrieden. Er beriefdie Aerzte, gab ihnen eine derbe Lektion und drohte ihnen mitder ganzen Strenge seines Zornes und seiner Autorität, wennsie es wagen sollten, von dem Ergebnisse der Obduktion öffentlichzn sprechen. Der Verwandte eines dieser Aerzte sagte mir gestern:Wenn ich mit ihm von Heinrich Abd-el-uur sprechen will, wendeter sich ab, ohne mir zu antworten."

Am nächsten Tag um 11 Uhr Morgens begrub mau ganzim Geheimen den kleinen Märthrer. Auf Befehl des Wali hattemau die Siegel des Gefäßes erbrochen, der Familie, welche sichweigerte, den Leichnam vor der Veröffentlichung des ärztlichenProtokolles zur Beerdigung auszuliefern, mit Gewaltmaßregelngedroht, den nmputirten Arm heimlich in den Sarg gesteckt undden katholischen Pfarrer gezwungen, die Beerdigung vorzunehmen.

Samstag, 26. April, an welchem Tage ich in Damaskus ankam,begab sich die Mutter des gemordeten Kindes, gefolgt von meh-reren tausend Christen, zum Grabe. Die Mutter stürzte sich aufdas Grab ihres Kindes und bemühte sich, mil ihren Händen dieErde aufzuwühlen und ihr Kind auszugraben, um das Verbrechenkonstatiren zn lassen. Plötzlich aber kamen Soldaten, zerstreutendie Anwesenden und rissen die Mutter vom Grabe weg, das sieschon nahezu geöffnet hatte.

Seit diesem Tage ist der kleine Erdhügel, unter welchem dasarme Kind ruht, Tag und Nacht von Soldaten bewacht. Ichhabe sie mit eigenen Äugen gesehen und gebeten, mir genau dieStelle zu zeigen; sie thaten es und ich habe zu dem kleineu Engelgebetet, er möge über seine Familie wachen.

Der Wali wird immer wütender, und um seinen wachsendenIngrimm zu befriedigen, läßt er jeden Christen, der öffentlich vonder Sache spricht, einsperren. Schrecken herrscht im Christenviertel,aber die Erbitterung kocht ini Innern der Herzen fort. Die ganzechristliche Bevölkerung und alle Türken sind von der Schuld derJuden überzeugt. Die Drohungen des Wali werden wohlSchweigen erzwingen, aber diese Ueberzeugung nicht beseitigenkönnen."

In diese Gattung Criminalgeschichten hat in jüngsterZeit der Berliner Aerzteverein von gelehrten Doktoren derMedizin ein wunderbares Licht hineinleuchten lassen, welches