2ckd> Heine und Consorten.
und sie beschuldigte, sie wolle die Geschichte bon ?. Thomas auf-wärmen. „Mau darf," gab er ihr zur Autwort, „nicht auf dieseArt ein ganzes Volk für ein einzelnes Verbrechen oerantwvrtlichmacheu. Reichen Sie eine Klage gegen irgend eine Persönlich-keit ein."
Die Mutter ließ nun eine Anklage gegen Regina und derenFamilie aufsetzen und verlangte eine Untersuchung. Die Klagewurde wohl angenommen, aber einfach bei Seite gelegt und keiner-lei Untersuchung eingeleitet. Ganz außer sich stürzt die Mutterins Serail, fordert unter lautem Geschrei ihr Kind zurück undbeschimpft den Wali. Dieser droht ihr und ihrer Familie mitKerker und Verbannung, wenn sie fortfahre, durch ihr Gejammerund ihre Verleumdungen die Christen gegen die Juden aufzuhetzen.
Mittlerweile sprengten die Juden das Gerücht aus, der jungeHeinrich sei in dem Brunneu eines Christen gefunden worden.Das Gerücht erwies sich als falsch; aber von diesem Augenblickeau ließ die Polizei die Brunnen durchsuchen. Mau kam zuerstzum Brunnen des Hauses Abd-el-nur, fand aber nichts darin;man suchte bei einigen Nachbarn, ebenfalls ohne Ergebniß. DerWali befahl dann, alle Brunnen zu untersuchen; es war diesvierzehn Tage nach dem Verschwinden des Knaben. Man tra'alle uöthigen Anstalten, setzte Äerzte in Kenutniß und die Polizei,begleitet von einem Brunnengräbcr und versehen mit einem geeig-neten Sacke, wendete sich auffallendcrweise zu allererst zur Remiseeines Lohnkutschers im christlichen Viertel.
Wieso und warum habe mau gerade diesen Brunnen gewählt?Kein Mensch wußte es zu sagen, aber der Leichnam des Kindesfand sich daselbst. Man zieht ihn heraus; die Mutter erkennt dasKind und wiederholt ihre Anklage gegen die Juden. Der Waligeräth in Zorn, aber die Mutter im Drange ihres Schmerzesbeschimpft ihn nenerdiugs und wirft ihm in heftiger Weise vor,er habe sich von den Juden bestechen lassen.
Das Kind wurde nun in das Militärspital gebracht und Tagsdarauf versammelten sich auf Anordnung des Staatsanwaltes undUntersuchungsrichters zwanzig Aerzte, um die Leiche in Augen-schein zu nehmen. Die Familie des Opfers umringt die Aerzte;die Mutter erkennt die Kleider ihres Kindes, es fehlen aber daranGürtel, Halsbinde und Manschetten. Es war also das Kind vonfremden Händen entkleidet worden. Die Untersuchung des Ge-hirnes, der Lunge, des Herzens und der Eingeweide ergab ferner,daß das Kind nicht ertrunken, sondern zuerst getödtet und dannin den Brunnen geworfen worden war. Mau bemerkte auch amlinken Arme einen au der Hauptader gemachten Einschnitt. DieAerzte stutzten jetzt selber und entschlossen sich, diesen Arm zuamputiren und ihn separat zu untersuchen. Zu diesem BeHufe gabmau ihn in ein Gefäß mit Alkohol, welches dann versiegelt wurde.
Die Protokolle der Aerzte und die Aeußeruugeu der Personen,welche der Inaugenscheinnahme beigewohnt hatten, verursachtenin der Stadt eine leicht begreifliche Aufregung. Mau beschuldigte