Druckschrift 
Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
247
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Heinc und Consortcn. -llc

Ter Thatbestand ist folgender:

Im Christenviertel zu Damaskus lebt eine arabische Familie,Namens Abd-el-nur, ihrem religiösen Bekenntnisse nach armenisch-katholisch, Sie besteht aus der Mutter und zwei Kindern, derenjüngstes, Heinrich mit Namen, sechs Jahre zählt. Die Familieist wohlhabend und pflegte, wenn sie Gesellschaftsabende gab, dazurecht oft eine jüdische Sängerin, Namens Regina, einzuladen, derenWohnung in Anbetracht dessen, das; das Judenviertel in der Nähedes Christenviertels ist, nicht weit entfernt ist. In Folge^ dessenentstanden gute nachbarliche Beziehungen zwischen der FamilieAbd-el-nur und der Regina's. Diese letztere lernte sogar bei derFrau Abd-el-nur das Nähen. Die Kinder Abd-el-nur gingen oftzu Regina, namentlich Heinrich. Am Ostermontage bat Heinrich,während seine Mutter Besuch hatte, um Erlaubnis;, zu Reginagehen zu dürfen. Die Mutter schlug es dem Kinde ab und erlaubteihm nur einen Gang zu einem Nachbar. Das Kind geht fort,begibt sich aber, da der Nachbar nicht zu Hause mar, zu eineranderen Familie. Eine Stunde später wurde es in der Nähe einerKaserne auf dem Wege zur Behausung der Regina gesehen. Vonda an bekani es kein Mensch mehr zu Gesichte.

Inzwischen wird die Mutter Heinrich's, da sie des KindesRückkehr vergeblich erwartet, unruhig und läuft fort, es zu suchen.Sie geht zu allen Nachbarn nirgends eine Spur von dem Kinde.Im Laufe des Abends verbreitet sich die Nachricht von dem Un-glücke der Familie Abd cl-nur unter der Bevölkerung und in Er-innerung an Fälle ähnlichen Verschwindens, unter anderen jenesdes ?. Thomas, regt sich der Verdacht, es sei ein Meuchelmordvorgefallen.

Regina hatte diesen Abend in einer Familie singen sollen:sie ließ absagen und kam, um der Mutter des Opfers ihr Beileidauszudrücken: sie könne, fügte sie bei, nicht singen, während ihreFreundin leide. Um Mitternacht ungefähr verabschiedete sichRegina, wie gewöhnlich, von einem Diener der Frau Abd-el-nurbegleitet. Dieser rechnete darauf, bei der Familie Regina's nochvorsprechen und seiner Gewohnheit gemäß ein paar Cigarettenrauchen zu dürfen. Aber die Sache kam anders. An dem Thoreihres Hauses angekommen, behauptete Regina plötzlich, einen kost-baren Stein aus ihrer Broche verloren zu haben, und rief ihrenBater, welcher mit einem Lichte kam, um den Edelstein auf demzurückgelegten Wege zu suchen. So wurde denn der Diener verab-schiedet, ahne ins Haus zu gelangen. Merkwürdigerweise hatRegina ihren kostbaren Stein weiter nie mehr reklamirt.

Tags darauf kam der Mutter des vermißten Kindes, die sichvor Schmerz wie rasend gebürdete, der Verdacht, die Juden hättenihr das Kind geraubt und Regina sei dabei die Helfershelfern,gewesen, indem sie den Knaben zu sich lockte. Ihr Betragen undihr Beileid erschien ihr als Heuchelei. L?ie wendete sich an denWali, den Präfekten von Damaskus, der sie sehr barsch empfing