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Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
241
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Heine und Consorten. ^41

unter so bedauernswürdigem Ruck noch eine treue deutsche Ge-sinnung bewahrten, Heine war am schamlosesten, Börne befleißigtesich mehr des Anstandes, aber er gab sich, sobald er sich in Parissicher Nor der Polizei wußte, der ganzen Verbissenheit einesSh ylok hin. Da ich ihn früher von einer besseren Seite gekannthatte, warf ich ihm vor, daß er, der immer für einen gutenDeutschen gelten wollte, die Deutschen verhöhne und lächerlichmache, und sich dafür vom französischen Publikum noch bezahlenlasse. Er antwortete in einer Flugschrift, die, zugleich französischund deutsch erschien, und worin er mich einen ülullopImAnk oderFranzosenfresser nannte, als hätte das, was ich ihm vorwarf, denFranzosen gegolten. Ich hatte im Gegentheil gesagt: Wenn einFranzose in Deutschland die Franzosen verhöhnen wollte, s o w ürd edas in ganz Frankreich als eine ehrlose Handlung an-gesehen werden. Ich hatte also der Ehrenhaftigkeit des fran-zösischen Charakters meine volle Achtung bezeugt, wie ich dennüberhaupt als Geschichtsschreiber die ritterliche Eigenschaft undden praktischen Takt der Franzosen stets ohne alles Vornrtheilrespektirt habe. Der Jude spekulirte aber auf die Dumm-heit des Publikums, und so gab es denn Leute genug,welche wirklich meinten, ich hätte einmal das Maulaufgesperrt, um alle Franzosen zu fressen. Heine ant-wortete noch viel gemeiner, indem er mich in einer Flugschrifteinen Denunzianten nannte, als hätte ich ihn etwa vor der deutschenBnndespolizei angeklagt, da ich doch nur der deutschen Nation zuGemüthe geführt hatte, wie sehr sie sich herabwürdige, indem siedem Juden, der sie verhöhne, noch Huldigungen darbringe."

Heine hatte unter nnderm eine neue Parole ausgeworfen:Emancipation des Fleisches. Er durfte so frech sein, weil ihm derUnglaube auf deutschen Universitäten vorgearbeitet hatte. Die all-gemein verbreitete Philosophie Hegels leugnete einen Gott außeruns: stellte fest, es gebe kein Höheres Wesen als den Menschen,kein christliches Sittengesetz mehr, kein Gebot Gottes, sondern,indem der Mensch Gott selbst sei, sei er auch über den Gegensatzvon gut und böse erhaben. Auch unsere klassischen Dichter hattenschon im vorigen Jahrhundert angefangen, den Ehebruch zu ent-schuldigen, Wieland hatte die ganze Frivolität des französischenHofes und Adels nach Deutschland verpflanzt, Goethe in seinenWahlverwandtschaften einen förmlichen Codex des Ehebruchs ge-schrieben und sogar die Nomantiker hatten vergessen, daß Treueund Keuschheit von jeher die Seele unserer volksthümlichen Poesiegewesen waren. Es fehlte mithin nicht an Autoritäten für dieGottlosigkeit und Sittenlvsigkeit, Und es war ziemlich natürlich,daß der charakterlose Theil der jüngeren Generation sich dadurchverführen ließ. Dazu kam die tödtliche Langweile der Restaura-lionsperiode. Das Alltägliche war unerträglich, das Heilige undHohe verboten und geächtet, warum hätte sich nicht mancher mitLust dem Teufel ergeben sollen? Ehe die Geister sich schieden,herrschte ganz der nämliche Ekel an der Gegenwart bei den pflicht-

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