2-40 Heine und Consorten.
95, Julian Schmid nlier Seines Zlnwisscnljeit in politischen Fragen.
Wenzel iiöer Keines Frivolität und ^iiderlichkeit.
Julian Schmid (III. 211):
„Heine wird in seinen Berichten ausschließlich von belle-tristischen Interessen geleitet: für wirkliche Politik hat erkein Berständniß, er hat nicht einmal starke Sympathien oderAntipathien, nur im Haß gegen Preußen bleibt er conscguent.Im Anfang spricht er sich als echter Romantiker spöttisch überden Bürgerkönig Louis Philipp und seine Minister aus, dannaber werden ihm die deutschen Flüchtlinge zur Last und er perhöhntdie Republikaner wegen ihrer plebejischen Manieren. Zwischendiese beiden Perioden fällt ein Jahrsgehalt, welchesihm die Julidynastie gab. Er hat zweierlei vor Augen: deröffentlichen Meinung mit ihren Freiheitsdurst gerecht zu bleiben,und Cotta, der mit Gentz znsammenhing, keinen zu argen Anstoßzu geben. Er kommt fortwährend darauf zurück, daß er einMärtyrer des monarchischen Princips sei und daß ihmdie Republikaner den Tod geschworen, zugleich aber ist er einMärtyrer der Freiheit und lebt für sie im traurigen Exil. Beiseiner Unwissenheit durch jede Politische Frage in Ver-legenheit gesetzt, hilft er sich durch einen spöttischenTon, und weiß es so einzurichten, daß man nie insKlare kommt, ob er etwas in Scherz oder Ernst be-haupte. Durch ihn wurde eine Zeitlang in der deutschen Jour-nalistik der Witz zum Maßstab der Wahrheit gemacht. Im Vorspielzum Faust sagt der liebe Gott: von allen Geistern, die verneinen,ist mir der Schalk am wenigsten zur Last. — Nur wird der Schalkgefährlich in einer Zeit, die ihm keinen Widerstand entgegensetzenkann, weil sie über ihre eigenen sittlichen Vorstellungen im Un-klaren ist. Es ist nicht schwer und ein Zeichen weibischer Charak-tere, die kleinen Widersprüche der Ideen leicht aufzufinden, dannin der Gefühlsseligkeit zu schwelgen, daß man überseine Zeit erhaben sei."
Wolfgang Menzel* bespricht im Kapitel: „WachsendeCorruption der schönen Literatur und mein Kampf dagegen"Börne und Heine:
„In Paris ließen sich die Juden Heine und Börne nieder,uni von dort, aus sicheren! Versteck auf die deutsche Nation alssolche überhaupt, und auf die patriotische Begeisterung der Be-freiungskriege insbesondere Spott und Hohn auszuschütten undschadenfroh nicht etwa bloß über die damaligen Mißregierungenin Deutschland, sondern über die edelsten Männer zu spotten, die
* „ Denkwürdigkeiten". Bielefeld 1877. S. 3lZt>.