Heine und Consorten.
Judenschaft und zum Zeugniß, daß dieser Heine durch allesFarbens chillern hindurch ein echtfärbiger Schmuel geblieben ist. ^
„Während Hyacinth solcher Maßen, episch breit nach seinerGewohnheit, seine Ansichten entwickelte, erhob sich der Markesenon seinem Betkissen, trat zu uns, noch immer einige Paternosterdurch die Nase schnurrend. Hyacinth zog jetzt den grünen Florüber das Madonnenbild, das oberhalb des Betpultes hing, löschtedie beiden Wachskerzen aus, die davor brannten, nahm daskuPferneCrucifix herab, kam damit zu uns zurück undputzte es mit demselben Lappen und derselben spuckendenGewissenhaftigkeit, womit er eben auch die Sporenseines Herrn geputzt hatte. Dieser aber war wie aufgelöstin Hitze und weicher Stimmung, statt eines Oberkleides trug ereinen weiten blauseidenen Domino mit silbernen Franzen undseine Nase schimmerte wehmüthig, wie ein verliebter Louisdor.
O Jesus, seufzte er, als er sich in die Kissen des Sophas sinkenließ — finden Sie nicht, Herr Doktor, daß ich heute sehr schwär-merisch aussehe? Ich bin sehr bewegt, mein Gemüth ist auf-gelöst, ich ahne eine höhere Welt,
Das Auge sieht den Himmel offen,
Es schwelgt das Herz in Seligkeit.
„Herr Gumpel, Sie müssen einnehmen — unterbrach Hyacinthdie pathetische Deklamation — das Blut in Ihren Eingewcidenist wieder schwindelich, ich weiß, was Ihnen fehlt."
Wenn wir nun bezüglich dieses Ergusses Heines über diechristliche Religion in einen Wehschrei über Blasphemie undJudenfanatismus losbrechen würden, so möchte das den Judenund Judengenossen ein großes Plaisir machen. Nun wollenwir aber den Vorgang Heines psychologisch mit aller Ruhebetrachten. Wir sehen zwei getaufte Puppen, das heißtzwei von Heine mit Phrasen ausgestopfte Judengestalten in dieScenerie seiner Reisebilder hineingeschoben; er als Meister desPuppenspiels legt ihnen seinen Hohn und sein eigenesGespötzel über das Christenthum in den Mund, während seineigenes Grinsen von dem Wohlbehagen Zeugniß gibt, das seinHerz erfüllt, wenn er die Religion der Christen in ein ekeligesZerrbild verwandeln und ihren Cultus durch die übelduftigsteGasse des Ghetto schleifen kann. Somit hat der Ober-rabbi-Philosoph zu Magdeburg schon Recht gehabt, als erüber Heine begeistert ausrief:
„Derselbe ist doch immer ein echter Jude geblieben,denn was wir da von ihm zu Gesichte bekommen, das ist dochAlles echte talmudische Jüdischkeit."