Druckschrift 
Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
213
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Börne und Consorten. 21Z

Er berichtet mit selbstgefälligem Lächeln:

Wer lehrt mich mit einer bürgerlichen Witwe umgehen?Ich versuche es- Bin doch setzt der einzige Mann im Bade- DieKrankheit hat einige interessante, melancholische Züge in meinemGesichte zurückgelassen, und die Weiber trösten gern- Ich werdeihr unter den Bäumen begegnen, und trübsinnig mit verschränktenArmen, ohne zu grüßen, au ihr vorübergehen- Ich fülle meineTasche mit Kreuzern und vertheile sie rechts und linksan die Dorfarmuth. (Ach!) Ja, ich kann in einiger Entfernungvon ihr meine Uhr unter dem Rocke hervorziehen, sie küssenund au mein Herz drücken. Das Gold blinkt in der Sonne,und sie wird es wohl für ein Medaillon ansehen.Eine abwesende Geliebte? Oder ist sie todt? O das wirkt!^ Bei Weibern ist die Liebe w oft eine Tochter, als die Mutterder Eifersucht. Und vor allen du mächtige Göttin, siegreiche Lang-weile, du zauberst ihr wohl etwas von meiner Jugend, meinerSchönheit, meiner Liebenswürdigkeit vor. Aber wermag die andere sein? Ihre Tochter? Nicht möglich! Warumnicht möglich? Ich weiß schon nicht mehr, was ich spreche. IhreSchwester, ihre Cousine, ihre Freundin ^ gleich viel! Zwei umso besser. Ich muß mich heute noch sehen lassen. IhrFenster geht nach dem Garten. Ich sitze in der Lanbe, lese PfistersGeschichte der Deutschen und streiche eine Thräne aus meinenAugen. Das Buch ist hellblau gebunden und kann etwas Roman-tisches vorstellen. Sie bemerken mich gewiß. Heute sprechen sievon mir, morgen über mich, übermorgen mit mir, in drei Tagenzu mir. Schließ deine Rechnung mit dem Himmel, Witwe: deinHerz ist mein! Kein Gott kann dich retten!"^

Und vor solchem Wilzgefunkel stand ein Theil Deutschlandsbewundernd und händeklatschend da! Die Zeit ist vorüber!Börne hätte eben so gut sagen können, er habe seine Taschenmit Sechsern gefüllt, um sie rechts und links an die Dorf-armuth auszutheilen. Aber er mag sich gedacht haben: dasSechseranstheilen verbietet mir eine reiche, bezugs Geld abersparsame Phantasie selbst vor Damen. Es sind ja Kreuzer mehrals genug. Ich muß ja froh sein, wenn einige blöde Goyimglauben, daß ich der schönen Witwe wegen Kreuzer ausgetheilthabe, von meinen Stammesgenossen glaubt es mir ohnedieskeiner Nathan der Weise ausgenommen!

^ Wenn mau sich so die dürftige, verkrümmte Gestalt mit dem gelbenGesichte vor Augen stellt und obigen geschilderten Liebreiz dazu, in dessenBesitz zu sein der Börne sich schmeichelt, er, der Damen gegenüber Un-besiegbare, der die Witwe apostrophirt:Kein Gott kann dich retten!"Da kann man nicht lachen, nur bedauern.