196 Börne und Consorten.
nur für die Juden plaidirt, Heine fährt fort, zwei Fliegenauf einen Schlag treffen zu wollen.
S. 285:
„Es war vielleicht ein Glück für Börne, daß er starb. Wennnicht der Tod ihn rettete, vielleicht sähen wir ihn heute römisch-katholisch blamirt."* —
„Wie ist das möglich? Börne wäre am Ende katholisch ge-worden? Er hätte in den Schoost der Römischen Kirche sichgeflüchtet, und das leidende Haupt durch Orgelton und Glocken-klang zu betäube» gesucht."
Das ist so Heine'sche Logik: die katholische Kirche hatkeine andere Aufgabe und keine anderen Mittel, den Menschenmit Gott bekannt zu machen und ihm die Hoffnung aufs Jen-seits zu beleben, als Orgelton und Glockenklang. Nun fälltaber die Erfindung und der Gebrauch von Glocken und Orgelin eine Zeit, in welcher die Kirche schon durch Tausende vonBlutzeugen ihre Lebensprobe abgelegt, und die Reformjudenhaben die Orgel schon angenommen und werden es beim Fort-schreiten (wie mit dem Barett und Predigeranzug) auch nochmit den Glocken versuchen.
84. Keine läßt seine Hasse gegen Wo nie und gegen die katholischeKirche zugleich los.
Um sich also mit den Orgelklängen betäuben zu lassen,hätte Börne nicht Katholik werden dürfen, sondern sogar inder Synagoge diese Betäubung sich anthun können. Doch, wannund wo hat sich Heine um Logik gekümmert? Er fährt fort:
„Nun ja, er war auf dem Wege, dasselbe zu thuu, was somanche ehrliche Leute schon gethan, als der Aerger ihnen ins Hirnstieg, und die Vernunft zu fliehen zwang (!) und die armeVernunft ihnen beim Abschied nur noch den Rath gab: wenn ihrdoch verrückt sein wollt, so werdet katholisch, und man wird euchwenigstens nicht einsperren, wie andere Monomanen."
* Das wäre für Börne nach Heine eine große Blamage ge-wesen: was ihm aber Heine nach dem Tode Börnes über seine Privat-verhältnisse auf den Grabstein geschrieben, das scheint Heine für einereformjüdische Ehrenbezeugung und Lobrede gehalten zu haben.