Druckschrift 
Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
197
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Börne und Consorten, 197

Also um katholisch zu sein oder zu werden, muß man eincompleter Narr sein oder werden, um weise zu sein abermuß man (nach Heine)in der großen Passion göttlicher Art"sich für verschiedene Frauenzimmer begeistern und in ihrerkörperlichen Schönheit die körperliche Offenbarung Gottes be-wundern !!! Wenn aber ein Frauenzimmer (oder ein Mann)nicht das Glück hat, schön zu sein, so wäre das nach Heineeine sehr verunglückte Offenbarung Gottes!

Interessant ist, wie sich Heine, der es versucht hat, amProbirsteiu Börnes als echtgoldigem Moralisten sich zu reiben,die Verbreitung des Christenthums in der römischen Heidenzeitvorstellt:

Wie der Einzelne sich trostlos die Adern öffnete und im Todeein Asyl suchte gegen die Tyrannei der Cäsaren: so stürzte sichdie große Menge in die Ascetik, in die Abtödtungs-lehre, in die Martyrersncht, in den ganzen Selbstmordder nazarenischen Religion, um auf einmal die damaligeLebensgnal von sich werfen und den Folterknechten des herrschendenMaterialismus zu trotzen. Für Menschen, denen die Erde nichtsmehr bietet, ward der Himmel erfunden. . . . Heil dieser Erfin-dung, Heil einer Religion, die dem leidenden Menschengeschlechtin den bittern Kelch einige süße, einschläfernde Tropfen goß, gei-stiges Opium, einige Tropfen Liebe, Hoffnung und Glauben."

Das ist so ganz der legere Styl, in dem nach des großenHeine Vorbild die Talmudbekenner die Kirche, die Erscheinungdes Christenthums in der Welt sich zurechtlegen. Ein GlasOpiumwasser, ein wenig Lacritzensaft und Johannisbrotsaft,einige Tropfen Glaube, Hoffnung und Liebe, und der schwarz-gelockte Jüngling klatscht nach diesem geistreichen Exposs dieHände zusammen und schreibt einen von jenen geistreichenFeuilleton-Artikeln, die wir an Vorabenden von christlichenFeiertagen (nach Vorschrift der Lehrer von Israel, um dieGoyim zu ärgern und ihnen den Festtag zu verleiden)in großen und kleinen jüdischen Blättern zu finden gewohntsind.

Diese Weisheit ist billig, sie wird in der Wissenschafts-bude der Journale jedes Stück zu 27 Kreuzer geboten, es stehtgut, man ist geistreich, aufgeklärt, mitunter lachen die blödenGoyim selber mit, die überhaupt sehr oft mitlachen, wenn esüber ihre Religion losgeht und erst nachdenklich werden, wennsie fremde Hände in ihren Geldtaschen fühlen.