Druckschrift 
Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
169
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Börne und Consonen. Ilill

schrift, die zugleich französisch und deutsch erschien, und worin ermich einen Galliphague oder Franzosenfresser nannte, als hättedas, was ich ihm twrwarf, den Franzosen gegolten. Ich hatte imGegentheil gesagt: wenn ein Franzose in Deutschland die Frau-zosen verhöhnen wollte, so würde das in ganz Frankreich a ls eineehrlose Handlung angesehen werden. Ich hatte also derEhrenhaftigkeit des französischen Charakters immer volle Achtungbezeugt, wie ich denn überhaupt als Geschichtsschreiber die ritter-lichen Eigenschaften und den praktischen Takt der Franzosen stetSohne alles Vorurtheil respektirt habe. Der Jude spekulirteaber auf die Dummheit des Publikums, und so gab esdenn Leute genug, die wirklich meinten, ich hätte einmal das Maulaufgesperrt, um alle Franzosen zu fressen. Heine antwortete nochviel gemeiner, indem er mich in einer Flugschrift einen Denunziantennannte, als hätte ich ihn etwa vor der deutschen Bundespolizeiangeklagt, da ich doch nur der deutschen Nation zu Gemüthe ge-führt hatte, wie sehr sie sich herabwürdige, indem sie demJuden, der sie verhöhne, noch Huldigungen darbringe."

„Heine hatte unter anderm eine neue Parole ausgeworfen:„Emancipation des Fleisches." Er durfte so frech sein/weil ihmder Unglaube auf den deutschen Universitäten vorgearbeitet hatte.Die allgemein verbreitete Philosophie Hegels läugnete einen Gottaußer uns, stellte fest, es gebe kein höheres Wesen als die Menschen,kein christliches Sittengesetz mehr, kein Gebot Gottes, sondern,indem er (der Mensch! Gott selbst sei, sei er auch über den Gegen-satz von gut und böse erhaben. Auch unsere klassischen Dichterhatten schon im vorigen Jahrhundert angefangen, den Ehebruch zuentschuldigen. Wieland hatte die ganze Frivolität des französischenHofes und Adels nach Deutschland verpflanzt, Goethe in seinenWahlverwandtschaften einen förinlichcn CodexdesEhebruchsgeschrieben, und sogar die Romantiker hatten vergessen, daßTreue und Keuschheit von jeher die Seele unserer volkSthümlichenPoesie gewesen waren."

Selbst dem Börne war die Frivolität Heines und derJungdeutschen bisweilen zu arg geworden. Er schrieb demMenzel noch am 12. November 1835 aus Paris („Denk-würdigkeiten", S. 304):

„Ich theile (?) ganz Ihren Abscheu vor den sittenlosen undglaubensschänderischen Schriften, glaube aber, wenn Gutzkow undWienbarg den Deutschen Voltaires Exkremente austischen wollten,werden sie wohl viel Gäste bekommen."

Börne schickte damals dem Menzel für dessen „Literatur-blatt" eine Recension, in der er Bettinas eitles und verlogenesBuch über Goethe geißelte. Menzel setzt hinzu:

„Ich habe bedauert, daß ich später doch noch genöthigt wurde,mich nochmal gegen Börne zu erklären."