168 Börne und Consorten.
Heine erzählt weiter:
„Das Werk von Wolfgang Menzel war eben erschienen, undBörne freute sich kindisch, daß Jemand gekommen sei, der denMnth zeige, so rücksichtslos gegen Goethe aufzutreten." „DerRespekt, setzte er naiv hinzu, hat mich immer davon abgehalten,dergleichen öffentlich auszusprechen. Der Menzel der hat Mnth,"der ist ein ehrlicher Mann und ein Gelehrter, den müssen Sie kennenlernen, an dem werden wir noch viele Freude erleben; der hatviel Courage, der ist ein grundehrlicher Mann und ein großerGelehrter. An dem Goethe ist gar nichts, er ist eineMemme, ein serviler Schmeichler, ein Dilettant.— Ansdieses Thema kam er vft zurück, ich mußte ihm versprechen, inStuttgart den Menzel zu besuchen, und er schrieb mir gleich zudiesem Besuche eine Empfehlungskarte, und ich höre ihn noch eifrighinzusetzen: der hat Mnth, außerordentlich viel Courage, der istein braver, grundehrlicher Mann und ein großer Gelehrter." —
Dieses Lob Börnes dauerte selbstverständlich nur so lange,als der Goy Menzel gegen den Goy Goethe losging und diebeiden Goyim sich nicht sehr achtungsvoll behandelten.
Wir wollen nun Menzels Bericht über das Verhältnis?hören, in dem er zu den beiden Gutedel gestanden:
„Zugleich ließen sich die Juden Heine und Börne in Parisnieder, um von dort aus sicherem Versteck auf die Deutschen, aufdie Nation als solche überhaupt und auf die patriotische Begeisterungder Befreiungskriege insbesondere, Spott und Hohn auszuschütten,und schadenfroh nicht etwa bloß über die damaligen Mißregiernngenin Deutschland, sondern auch über die edelsten Männer zu spotten,die unter so bcdauerungswürdigem Drucke noch eine treue deutscheGesinnung bewahrten. Heine war am schamlosesten. Börne be-fleißigte sich mehr des Anstandes, aber er gab sich, sobald er sichin Paris sicher vor der deutschen Polizei wußte, der ganzenVerbissenheit eines Shylok hin. Da ich ihn früher voneiner besseren Seite gekannt hatte, warf ich ihm vor, daß er, derimmer für einen guten Deutschen gelten wollte, die Deutschen ver-höhne und lächerlich mache und sich dafür vom französischenPublikum noch bezahlen lasse. Er antwortete in einer Flug-
* Hier gesteht Börne sehr naiv selber, daß nicht der Respekt vorGoethe, sondern die Feigheit („der Mangel an Mnth") ihn abgehaltenhat, mit Goethe anzubinden. Erst, nachdem sich der neidische Jude inParis sicher wußte und der Goy Menzel in Deutschland die erste Breschein die Festung des Goethccultus geschossen, da zappelte der Börne hinter-drein, um von der Glorie dieses Kampfes zu profitiren. Er überließ demGoy die gefährliche Arbeit, vom Lohn wollte er den Löwenanthcil be-kommen.