Börne und Consorten, 76
verwünscht zu werden. Da haben wir die Rechtfertigung undden Rechtsbestand der schauerlichen Judenflüche! Die Christensollen sich nicht mucksen, wenn sie von den Juden ausgezogenund ausgelacht werden, aber die Juden haben schon im Falledes Ausgelachtwerdens das Verwünschungsrecht!
Börne fährt noch weiter fort:
„In diesem Falle auch (was schon selten vorausgesetzt werdenkann) der dramatische Schriftsteller und der Schauspieler unbe-fangen genug wären, hierbei nach nichts weiterm als nach Be-lustigung zu streben, so sind doch wenige Zuschauer so arglos, sichhiermit zu begnügen. Sie werden vielmehr die bei solchen An-lässen empfangenen Eindrücke mit sich aus dem Schauspielhausetragen und die auf der Bühne mit Treue oder Ueberladnng vor-gespiegelten Gebrechen der Juden üblicher Weise allen diesenMaubensbekennern anrechnen." —
Sonderbar! Beim Adel, Advokaten, Aerzten, katholischemCultus, da leiden die Verhöhnten beim Publikum keinenSchaden, wenn aber die Juden dargestellt werden, wie siein der Regel sind, da leiden die Juden Schaden, und estritt das Verwünschungsrecht ein. — Börne-Logik!
Börne schließt seinen Vortrag für das Haus Israel mitden Worten:
„Wer weiß es nicht, wem braucht man es erst zu erzählen,wie dieses beklagenswerthe Volk auch darin stets mit Ungerechtigkeitbehandelt worden ist, daß man alle in Zeit und Raum zerstreutenSchlechtigkeiten, solche, welche Juden verschiedener Gegenden undverschiedener Zeiten eigen oder angedichtet waren, gesammelt,und stets auf den einzelnen Kopf jedes nächst dastehenden Indenals eine Tontine gehäuft hat." —
Diese Deklamation enthält wieder statt Logik nur Behaup-tungen. Erstens: es sei dies Volk stets mit Ungerechtig-keit behandelt werden; das ist offenbar erlogen. Daß dieJuden schon zu den Zeiten der Römer sich allen andern Völkern,bei denen sie Einkehr genommen, feindlich gegenübergestellthaben und diese Völker haßten, das bezeugen die klassischenAutoren. Daß sie nicht ihres Glaubens, sondern ihrerHandlungsweise wegen die oft leider sehr grausame Be-handlung im Mittelalter erfahren haben, das umgeht Börnemit seiner schlauen Judenlogik und Geschichtsverdrehung; beiihm sind die Juden stets mit Ungerechtigkeit behandelt worden.Daß einzelne Juden, welche das Normalwesen des Stammes