Börne und Consorten. H
Wer weiß es, wie weit ihr beseligender Einfluß reicht? Wiemerkwürdig sind hierin nicht die Worte des heiligen Justindes Märtyrers, der seinen Glauben und seine Ueberzeugungmit seinem Herzblut besiegelt hat: er zieht die Kreiseder seligmachenden Kirche selbst bis in die Heidenwelt hinaus undspricht: „Welche dem Logos (dem Lichte, welches durch dieGnade des Sohnes Gottes jeden Menschen im Gewissen er-leuchtet) nachlebten, waren Christen, wie Sokrates, Heraklitund welche ihnen ähnlich waren." — Daß die Heiden in Bauschund Bogen „in Unschuld und Unwissenheit als KinderGottes" lebten (wie es die Theologie Börnes lehrt), daß siesomit für ihre Lebensthaten keine Verantwortlichkeit hatten,dem widerspricht der heilige Paulus (im RömerbriefII. 14. 15), wo er deutlich auch die Verantwortlichkeit derHeiden ausspricht: „Denn, wenn die Heiden, welche das Gesetznicht haben, von Natur aus das thun, was zum Gesetze gehört(wenn sie jene Gesetze erfüllen, die sie durch das Licht ihrerVernunft und ihres Gewissens zu erfüllen vermögen), so sindsie, die so ein Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz, und zeigen,daß das Wort des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben sei,und wenn ihr Gewissen ihnen (davon) Zeugniß gibt, und Ge-danken, die sich unter einander anklagen und lossprechen amTage, wenn Gott gemäß meinem Evangelium das Verborgenedes Menschen richten wird durch Jesum Christum."
Wie nun hier der Apostel deutlich gethan, so haben nachihm auch die heiligen Lehrer das Gewissen als den Rettungs-anker der Heiden dargestellt, und in diesem Sinne werden inder Apostelgeschichte die Gerechten unter den Heiden Gottes-verehrer genannt.
4. „Die Christen sind weitsichtig, sie erkennen das Lebennicht" u. s. w., „sterben mit Sünden belastet und dieser Bürdesich bewußt". — So reiht sich bei Börne Unsinn an Un-sinn; er hätte noch dazu sagen sollen: Die Juden sind scharf-sichtig, sie erkennen das Leben" — „sie sterben ohneSünde und sind sich bewußt, daß sie keine Bürde zu tragenhaben" u. s. w. Man sieht, wenn er gegen die Christenlosgeht, da geht es dem Juden so recht vom Herzen,da überstürzt er sich in seiner Schimpfseligkeit: „Man müsseunglücklich sein, um selig zu werden", behauptet er.