4 Börne und Consorten.
Scheinchristen zu werden und dann den Taufschein (Heinebesonders), als einen Freibrief zu dem gemeinsten Hohngegen das Christenthum zu mißbrauchen. Wie nenntdas ein ehrlicher Mann, gleichviel ob Jud oder Christ,vom sittlichen Standpunkt? Heine und Börne, immer starkin der Negation, wußten die Politischen Schwächen deutscher Ge-schichte und deutscher Zustände witzig und kurzweilig Hervorzu-heben: aber hinter dieser Satyre lag, trotz der gelegentlichenKoketterie damit, keine Liebe für Deutschland, und überdies warenbeide, was die positiven Erfordernisse zur Einrichtung eines gutenStaates betrifft, notorisch unwissend, wie neugeboreneKinder,"
Julian Schmid sagt in seiner Geschichte der neuen deutschenLiteratur (3. Bd.):
„Im Zeitalter der Restauration, war unter den Schriftstellernder Jude eine Ausnahme: in dem geschäftlichen Zweige derLiteratur der Journalistik bilden sie jetzt die ungeheure Mehrheit,Daher die Empfindlichkeit, wenn man auf das Juden-thum zu sprechen kommt. Fast sieht es so aus, als seien dieJuden noch immer das auserwählte Volk und durch ein Privi-legium gegen die Angriffe geschützt, die sich jede andere Nationgefallen lassen muß. Gegen die Deutschen haben Börne und Heineund ihre Glaubensgenossen eine ganze Scala von Schimpfwortenangewendet, vom „Bedientenvolk" angefangen bis zum „Nacht-stuhl", und gegen das Christenthum nicht minder; wagt man esaber, den ewigen Judenschmerz zu lästern, wagt man es, zu be-zweifeln, daß Shylok ein Märtyrer war, so ringt die gesammteJournalistik über den Mangel an Ausklärung und Toleranz dieHände. Tadelt man die Eigenthümlichkeit der jüdischen Nation,so ist das ein Angriff auf die Glaubens- und Gewissensfreiheit,kritisirt man die religiösen Gebräuche, so ist es ein Hohn gegenein Märtyrcrvolk, Der Grund dieser seltsamen Empfindlichkeit istnicht das Rechtsgefühl, sondern vor allem d ie Begeisterungfür Börne und Heine, Die Juden sollten nicht vergessen,daß von ihnen die religiöse Exklusivität ausgegangen ist, Svetwas rächt sich unausbleiblich in der Geschichte, und die Unschul-digen müssen für die Sünden ihrer Väter büßen. Außerdemwird der religiöse Gegensatz mehr und mehr ausgeglichen"
Der Schreiber dieses bemerkte schon vor 33 Jahren überdiesen von Julian Schmid in Aussicht gestellten Ausgleichwörtlich („Wiener Kirchenzeitung", 1857, S. 229):
„Je toleranter aber die Leute auf dem religiösen Gebietewerden, desto intoleranter werden sie auf dem nationalen. DerKonflikt der Zukunft wird nicht in katholischen Län-dern mit orthodoxen, sondern bei rationalistischenVölkerschaften mit Reformjuden losbrechen,"