war. Will jetzt ganz ruhig leben und mich um nichts mehr bekümmern.Mitten in der Krisis meiner Kur ging der Lärm los, und nicht bloß Geld,sondern auch Gesundheit habe ich eingebüßt. — Sollten sich hier die Sachen,wie ich fürchte, noch düsterer gestalten, so gehe ich fort mit meiner Frau,oder auch allein. Bin sehr verdrießlich. — In Deutschland muß es auch nichtangenehm zugehen, und dahin hab’ ich auch kein großes Begehr.“ So klagter (am 30. März 1848) der Mutter. Heine, der einst als Tribun sozialer Be-strebungen das Bourgeoistum der Julimonarchie bespöttelt hatte, fühlt jetztfast wie ein Bourgeois; er ist um ein paar Groschen ängstlich besorgt. DieRevolution hatte ihn nicht nur die Pension gekostet, die ihm von der Re-gierung Ludwig Philipps ausgezahlt worden war; sie hatte auch die Tatsachedieser Pension der Welt enthüllt und Heines öffentliches Ansehen durch dieseEnthüllung schwer geschädigt. Ende Mai setzte obendrein die Lähmung mitaller Stärke ein. In dieser Lage widert ihn der „Weltrevolutionsgepolter ,der „miserable Moment“, die „Universalanarchie“, der „Weltkuddelmuddel ,der „sichtbar gewordene Gotteswahnsinn“ an. Am 3. Dezember beichtet erseinem Bruder Max, durch die Beeinträchtigung seiner Sehkraft und die Bett-lägerigkeit sei in ihm eine Weinerlichkeit und Seufzerei aufgekommen, dieseiner innersten Natur fremd sei, und die ihn als ein unheimliches Phänomennoch extra ängstige. „Es darf Dich nicht wundernehmen, wenn eines frühenMorgens meine Muse sogar als eine Betschwester Dir entgegentritt. In meinenschlaflosen Marternächten verfasse ich sehr schöne Gebete, die ich aber dochnicht niederschreiben lasse, und die alle an einen sehr bestimmten Gott, denGott unserer Väter, gerichtet sind.“ Der Brief an Mignet vom 17. Januar 1849gesteht ebenso offen ein; „J’ai deserte l’atheisme allemand, et je suis ä laveille de rentrer dans Ie giron des croyances les plus banales.“ Am 16. Aprilwar vollends in der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ für jedermann HeinesErklärung zu lesen, daß wie sein Nervensystem auch sein Gedankensystembedenklich erschüttert sei. „In manchen Momenten, besonders wenn dieKrämpfe in der Wirbelsäule allzu qualvoll rumoren, durchzuckt mich derZweifel, ob der Mensch wirklich ein zweibeiniger Gott ist, wie mir der seligeProfessor Hegel vor fünfundzwanzig Jahren in Berlin versichert hatte. „Ichbin kein göttlicher Bipede mehr; ich bin nicht mehr der .freieste Deutschenach Goethe', wie mich Rüge in gesünderen Tagen genannt hat; ich bin nichtmehr der große Heide Nr. II, den man mit dem weinlaubumkränzten Dionysusverglich, während man meinem Kollegen Nr. I den Titel eines großherzoghchWeimarschen Jupiters erteilte; ich bin kein lebensfreudiger, etwas wohl-beleibter Hellene mehr, der auf trübsinnige Nazarener heiter herablächelle —
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