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Heinrich Heine
Entstehung
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ich bin jetzt nur ein armer todkranker Jude, ein abgezehrtes Bild des Jam-mers, ein unglücklicher Mensch! Nun sagt Heine nicht längerdie Götter" ,nur nochder liebe Gott. Lediglich gegen übertriebene Auslegung dieserBekehrung, gegen das Gerücht, er seiein frommes Lämmlein" geworden,nimmt er Stellung. Am 12. Oktober 1850 scherzt er noch wehmütig, wenn erauch an einen Gott glaube, so glaube er doch manchmal nicht an einen gutenGott.Welch ein gutmütiger und liebenswürdiger Gott war ich in meinerJugend, als ich mich durch Hegels Gnade zu dieser hohen Stellung empor-geschwungen! Schärfer heißt es am 21. August 1851, er kenne jetzt dieGeier Gottes und habe allen Respekt vor ihnen. Zieht er fortan das Fazitseines Lebens, so klingt es viel wehmütiger als einst. Nicht weiter tröstet ihn wie noch im Jahre 1846 das holdselige Bewußtsein, ein schönes Lebengeführt zu haben. Am 3. Dezember 1853 gesteht er sogar seiner Mutter, derer sonst gern das Bitterste erspart:Es ist mir nichts geglückt in dieser Welt,aber es hätte mir doch noch schlimmer gehen können. So trösten sich halbgeprügelte Hunde.

Zu allen körperlichen und seelischen Leiden kam noch das Bewußtsein hinzu,ein neues Geschlecht wachse heran, das ihn überhole. Heines Stolz war ge-wesen, an der Spitze der Kultur zu marschieren. War eine neue Richtungaufgekommen, so hatte er sie sich angeeignet, oder er war über sie hinaus-geschritten. Jetzt weiß er, daß er hinter anderen Zurückbleiben muß. Erfühlt sich abgetan und überholt. Er übergibt dem blendendsten und be-stechendsten Vertreter der neuen Generation, Ferdinand Lassalle, seinenSpeer, bewußt, daß er ihm selbst zu schwer geworden sei. Wehmütig zeichnetder Brief an Varnhagen vom 3. Januar 1846 diese Stimmungen; ein besiegterFechter neigt vor dem Sieger und Manne der Zukunft sein Haupt und tröstetsich mit dem Gedanken, daß mit ihm auch andere, vor allem der Empfängerdes Briefes, auf den Altenteil gesetzt sind:Dieses neue Geschlecht will ge-nießen und sich geltend machen im Sichtbaren; wir, die Alten, beugten unsdemütig vor dem Unsichtbaren, haschten nach Schattenküssen und blauerBlumengerüchen, entsagten und flennten und waren doch vielleicht glück-licher als jene harten Gladiatoren, die so stolz dem Kampftode entgegengehen.Das tausendjährige Reich der Romantik hat ein Ende, und ich selbst warsein letzter und abgedankter Fabelkönig. Hätte ich nicht die Krone vomHaupte fortgeschmissen und den Kittel angezogen, sie hätten mich richtiggeköpft. Vor vier Jahren hatte ich, ehe ich abtrünnig wurde vor mir selber,noch ein Gelüste, mit den alten Traumgenossen mich herumzutummeln imMondenschein und ich schrieb denAtta Troll, den Schwanengesang der

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