„Münchener Tendenzen“ und will ihnen entgegenarbeiten. Er ist sich be-wußt, daß Paris eine gute Tribüne für diesen Zweck sei. Auch von diesenj', Sorgen, die allmählich aus seinem Bewußtsein verschwinden, befreit ihn
Paris. In der „Romantischen Schule“ und in dem Buche „Zur Geschichteder Religion und Philosophie in Deutschland rechnete er mit den MünchenerKreisen ab, in fester und sicherer Überzeugung, daß sie ihm fortan nichtsanhaben konnten. „Es sind“, heißt es am Schluss»der .Romantischen Schule“■V von .jenen deplorablen Gesellen , „die Feinde meines Vaterlandes, ein krie-
chendes Gesindel, heuchlerisch, verlogen und von unüberwindlicher Feigheit.Das zischelt in Berlin, das zischelt in München, und während du auf demBoulevard Mont-Martre wandelst, fühlst du plötzlich den Stich in der Ferse.Aber wir zertreten ihr das Haupt, der alten Schlange. Es ist die Partei derLüge, es sind die Schergen des Despotismus und die Restauratoren allerMisere, aller Greul und Narretei der Vergangenheit.“
Die Voraussetzungen der Übersiedlung nach Paris sind im wesentlichenunhaltbar gewordene äußere Verhältnisse und die unabweisbare Notwendig-keit, den deutschen Boden zu verlassen, der für Heine zu heiß geworden war.Die Voraussetzung der letzten Wandlung Heines, seiner Bekehrung, ist imwesentlichen die Erkrankung. Doch ehe das immer beschwerlichere Augen-leiden zu lähmenden Krämpfen geführt hatte, und ehe noch Heine ahnen konnte,daß er jahrelang ans Krankenlager gefesselt sein sollte, wurde er durch dieleidige Erbschaftsangelegenheit, durch die schlimmen Streiche, die seineHamburger Verwandten ihm spielten, völlig aus seinem seelischen Gleich-gewicht gehoben. Am 31. Oktober 1845 schreibt er an Campe: „Man hat sichschrecklich an mir versündigt, man hat mit unerhörter Schändlichkeit anmeinem Genius gefrevelt, ich kann mir die Wunde nicht länger verleugnen,und es werden Jahre hingehen, ehe der alte Humor wieder gesund sprudelt.Ein tieferer Ernst, ein unklarer Ungestüm hat mich ergriffen, der vielleichteigentümlich furchtbare Ausbrüche gestattet in Prosa und Versen — aberdas ist doch nicht, was mir ziemt und was ich wollte. Emst süßestes Leben,jetzt Verdüsterung und Todeslust.“
Die Klage, daß er nicht länger in der Stimmung sei, heitere Bärenjagdenund Wintermärchen zu schreiben, kehrt fortan mehrfach wieder. Todes-gedanken stellen sich ein, aber noch kann er sich mit dem holdseligen Be-wußtsein trösten, ein schönes Leben geführt zu haben. Die Februartage 1848aber treffen in Heine schon einen gebrochenen Menschen, der an sie keineHoffnungen weiter knüpfen kann. „Der Spektakel hat mich physisch undmoralisch sehr heruntergebracht. Ich bin so entmutigt, wie ich es noch me
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