stärkt, daß er ein Opfer der Adeligen und Klerikalen Bayerns sei. Er warüberzeugt, sein Freund Schenk habe ihn den Jesuiten saknfiziert (an Varn-hagen, 1. April 1831). Das war die rechte Stimmung, Revolutionsgeschichtezu treiben und sich in die Geschichte des französischen Umsturzes zu ver-senken. Wenn ihm dabei lähmend, betäubend und seltsam stockend zumutewar, so lag die Ursache nicht an kommenden, sondern an vergangenen undnoch bestehenden Zuständen, die er selber sich geschaffen hatte. Konnteihm da etwas Befreienderes widerfahren als eine Bestätigung seiner revo- ^
lutionären Anwandlungen durch die revolutionären Taten des Juli 1830?
Die wechselnden Stimmungen, die angesichts des Hm und Her der politischenVorgänge dann noch bis zu seiner Abreise in Heine sich abspielten, schildertsein Brief an Varnhagen vom 1. April 1831. „Was jetzt?“ fragt er; und erantwortet: „Jetzt glaube ich an neue Rückschritte, bin voller schlechtenProphezeiungen — und träume jede Nacht, ich packe meinen Koffer undreise nach Paris, um frische Luft zu schöpfen, ganz den heiligen Gefühlenmeiner neuen Religion mich hinzugeben und vielleicht als Priester derselbendie letzten Weihen zu empfangen.“ Bald darauf war sein Traum Wirklichkeitgeworden.
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Die innere Befreiung, die Heine in Paris suchte, ist ihm denn auch in voll-stem Maße zugefallen. Nach den niederdrückenden und entmutigenden Vor-stellungen, die Heines letzte deutsche Zeit bedrängen, klingt es wie Jubel-fanfaren m seinen ersten Pariser Briefen. Am 27. Juni 1831 schreibt er in nochganz ungebrochener Freude über die neue Umgebung an Varnhagen: „Eskann mir hier nicht schlechter gehen wie in der Heimat, wo ich nichts alsKampf und Not habe, wo ich nicht sicher schlafen kann, wo man mir alleLebensquellen vergiftet. Hier freilich ertrinke ich im Strudel der Begeben-heiten, der Tageswellen, der brausenden Revolution; obendrein bestehe ichjetzt ganz aus Phosphor, und während ich in einem wilden Menschenmeerertrinke, verbrenne ich auch durch meine eigene Natur.“ Noch viel enthusiasti-scher klingt ein Brief an Hiller vom 24. Oktober 1832: „Fragt Sie jemand,wie ich mich hier befinde, so sagen Sie: ,Wie ein Fisch im Wasser*, oder viel-mehr, sagen Sie den Leuten, daß, wenn im Meere ein Fisch den andern nachseinem Befinden fragt, so antworte dieser: ,Ich befinde mich wie Heine in
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Paris . Die Sorgen, die Heine zuletzt auf deutschem Boden gequält hatten,klingen nur noch beiläufig an. Ein Schreiben an Immermann vom 19. Dezem-ber 1832 bringt sie ihm wieder ins Gedächtnis; aber er weiß sich im sicherenHafen geborgen. Er spricht von der „süddeutschen mauvaise foi“, von den
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