ängstigend“, klagt er. Der Kopf dumpf, die Brust voll von widerwärtigemSchmerz, von tausend Verdrießlichkeiten umringt: so schreibt er den Brief.Er sieht sich veranlaßt, nach Hilfstruppen Umschau zu halten. Denn es regnein Hamburg Schmähaufsätze über sein Buch; seine Feinde seien zwar uneinig, ober geköpft oder gespießt werden solle, aber in der Hauptsache seien sie einig,nämlich ihn umzubringen (an Friederike Robert, 15. Januar 1830). Am 4. Februarweiß er, daß er sich unsäglich geschadet und auch das bessere Publikum verletzthabe. Schon ist er betroffen über Immermanns Schweigen und gibt ihm mitdeutlicher Absicht zu verstehen, daß er auch um seinetwillen gegen Platen seinSchwert geschwungen habe. Immermann scheint dann diplomatisch mehr oderminder zustimmend geantwortet und die Möglichkeit erwogen zu haben, obnicht ein Unbeteiligter für Heine auftreten könne. Heine erwidert am 14. März,Immermann möge eine tüchtige Feder für das Buch gewinnen. „Es könntenot tun; im Süden, höre ich, rüstet man sich.“ Er setzt trotzig hinzu: „Wasgeht’s mich an! Ich habe meine Schuldigkeit getan.“ Am 5. April weiß er,daß er, trotz Platens Stillschweigen, sich keiner gänzlichen Sorglosigkeit hin-geben dürfe. Und wenn ihm auch schon am 10. August das Ganze wie einliterarisches Märchen erscheint, so muß er doch wieder am 9. Dezember sichbrieflich gegen Einwände Menzels rechtfertigen: „Just Wolfgang Menzelweiß besser als jeder andere, daß Satire durchaus persönlich sein muß ...wissen Sie doch sehr gut, daß ich mit den Haaren dazu gezwungen wordenund ich nicht für meine Person, sondern für die Ideen, mit denen ich michidentifiziert, gegen den unflätigsten Geburtsdünkel das Schwert ergriffen.
Wie eine Erlösung wirkte auf Heine das mächtige politische Ungewitter vomJuli 1830. Er sah sich über die Misere, in die er sich hineinverirrt hatte, empor-gehoben zu Menschheitsfragen, die ihm wichtiger und wichtiger werden solltenSehr bemerkenswert ist, was er am 19. November Varnhagen über sich zuberichten hat: „Wie es Vögel gibt, die irgendeine physische Revolution, etwaGewitter, Erdbeben, Überschwemmungen, vorausahnen, so gibt’s Menschen,denen die sozialen Revolutionen sich im Gemüt voraus ankündigen, und denenes dabei lähmend, betäubend und seltsam stockend zumute wird. So erkläreich mir meinen diesjährigen Zustand bis zum Ende Juli. Ich befand michfrisch und gesund und konnte nichts treiben als Revolutionsgeschichte, Tagund Nacht. Zwei Monate badete ich in Helgoland, und als die Nachricht dergroßen Woche dort anlangte, war’s mir, als verstände sich das von selbst,als sei es nur eine Fortsetzung meiner Studien.“ Eine Selbsttäuschung deserlöst Aufatmenden, die sich aus seiner Stimmung leicht erklärt. Die bösenFrüchte, die der Angriff auf Platen trug, hatten in Heine den Eindruck ver-
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