Schon am 8. Juli 1826 bekannte Heine dem Freunde Moser, daß es ihnsehnlichst dränge, dem deutschen Vaterland Valet zu sagen; minder die Lustdes Wanderns als die Qual persönlicher Verhältnisse, z. B. der nie abzuwa-sehende Jude, treibe ihn von hinnen. „Wie tief begründet ist doch derMythos des ewigen Juden! Im stillen Waldtal erzählt die Mutter ihren Kinderndas schaurige Märchen, die Kleinen drücken sich ängstlicher an den Herd,draußen ist Nacht — das Posthorn tönt — Schacherjuden fahren nach Leipzigzur Messe. — Wir, die wir die Helden des Märchens sind, wir wissen es selbstnicht. Den weißen Bart, dessen Saum die Zeit wieder verjüngend geschwärzthat, kann kein Barbier abrasieren. Heines Taufe — sie lag damals wenigmehr als ein Jahr zurück — hatte also, das besagt das Bekenntnis, nichts ge-fruchtet. Am 14. Oktober verriet er auch Immermann seinen Plan, Deutsch-land auf immer zu verlassen. Doch die Fahrt nach England lieh ihm neuenMut. Nachrichten über den Erfolg der „Reisebilder hoben Heines Stimmung.Er ist sich jetzt bewußt, ungeheuren Anhang und Popularität m Deutschlandgewonnen zu haben; er glaubt, jetzt eine weitschallende Stimme zu besitzen.„Du sollst sie noch oft hören, donnernd gegen Gedankenschergen und Unter-drücker heiligster Rechte* , kündet er Moser am 9. Juni 1827 an. Daß er,nach der Heimkehr, erfährt, Goethe spreche mißfällig von ihm, ficht ihn nichtan; mit stolzen Worten weist er das Mißurteil Goethes von sich. Am 1. De-zember stellt er selbst voll Verwunderung fest, er hätte wirklich nicht geglaubt,schon so berühmt zu sein. Der Gedanke an Auswanderung scheint ver-schwunden zu sein. Übermütig fast, mindestens im Bewußtsein, zu geben undnicht zu nehmen, betritt er den Boden Münchens. Schon am 1. April 1828weiß er zu melden, er werde hier ernsthaft, fast deutsch. „Ich glaube, dastut das Bier , setzt er ironisch hinzu. Den Dichtern Münchens gegenüberspielt er sich als Gönner auf. Er läßt sich herab, Michael Beer günstig zu be-sprechen; Eduard von Schenk, der Minister, möchte dem neugewonnenenDichtergenossen eine Professur an der Universität zuschanzen. In hoffnungs-vollster Stimmung fährt Heine im Sommer nach Italien. Doch schon AnfangOktober beschleichen ihn selber Zweifel an seinem Glück; und bald stellt sichheraus, daß seine Hoffnungen fehlschlagen. Die Münchner katholischenRomantiker hatten alle Kräfte angespannt, um Heines Berufung zu verhindern.Damit beginnt die Krisis. Im Mai 1829 sitzt Heine wieder trostlos und rache-brütend in Potsdam. Er ist krank und elend; und wehmütig gedenkt er derZeit, als er, berauscht von Übermut und Liebesglück, auf den Höhen derApenmnen umherjauchzte und große, wilde Taten träumte, durch die seinRuhm sich über die ganze Erde verbreite bis zur fernsten Insel, auf der der
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