anstreben, vor allem zu Börne. So wird sie auch Voraussetzung des „AttaTroll“ und, in gewissem Sinne, des „Wintermärchens“. Doch dem pan-theistischen, vielmehr materialistischen Gottesleugnertum des Saint-Simonis-mus leistet Heine auf seiner letzten Entwicklungsstufe Absage; und damitbeginnt die Lehre, auf der die geistige und künstlerische Arbeit der PariserKampfzeit ruht, in Heines Bewußtsein zu verbleichen. Ein bitterer Verzichtlag in dieser Abkehr: die Ansprüche auf Vergöttlichung des Menschen, die seitder ersten Berührung mit Hegels Philosophie m Heine lebendig waren, wurdenendgültig abgedankt. Die Wiederbelebung des religiösen Gefühls, das Zu-geständnis, daß sem materialistisch getönter Pantheismus ein Irrtum gewesenwar, führte ihn zwar nicht in konfessionelle Bande zurück; aber der neu aner-kannte Gott stand dem strafenden und rächenden Jehova des Judentums weitnäher als den Vorstellungen des Deismus. Schmerzlicher Pessimismus war dieFolge der Bekehrung. Heines Lieblingswendung, daß das Schöne auf Erdenkeinen Bestand habe, ward immer bitterer und bitterer von ihm abgewandelt.Dennoch ist es wie eine Läuterung, was Heine jetzt durchlebt. Die Schlackenfallen ab. Reiner und reiner enthüllt sich sein Geist; das Irdische sinkt; undHeines Poesie dringt hinauf in Höhen voll Weihe und stiller Resignation.
Heines Jugend ist eine Vorbereitung auf Paris. Die Pariser Kampfjahrebringen Heine in die intimste Berührung mit Pariser Leben und Pariser Kultur.Die Krankheitsjahre lösen allmählich wieder auf, was den Dichter mit derStadt, die der Stimmung seiner Mannesjahre in allem entgegenkam, ver-knüpft hatte. Mehr und mehr beginnt er Paris als Exil zu empfinden.
Uber diese Selbstverständlichkeiten hinaus ist es von Wert, die Vorberei-tung der Übergänge von Periode zu Periode zu erwägen, wenn es gilt, diesePerioden sauber abzugrenzen. Bei Heine kann geradezu von schweren Krisengesprochen werden. Die Übersiedlung nach Paris war eine notgedrungeneFlucht vor Mächten, die der unvorsichtige Zauberlehrling beschworen hatte,und denen er nicht standhalten konnte; am wenigsten kommen revolutionäreAbsichten Heines und ernste Gefahren, die aus politischen Voraussetzungenerwachsen wären, in Betracht.
Der traurige Schritt von gesunden und lebensfrohen Tagen in das Düsterder Krankenstube bereitet sich gleichfalls langsam vor. Schwere Aufregungen,herbe Enttäuschungen, Angst und Not zermürben ihn, ehe die Krankheithereinbricht. Eine Fülle von Anzeichen kündet auch diese Krisis an. Poli-tische Momente spielen diesmal eine weit wichtigere Rolle als in den Jahren1830/31. Doch auch ihnen kommt eine entscheidende Stelle nicht zu.
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