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Gleichgewicht dieser beiden Kräfte wäre es einzig, welches die Planeten nöthigt, sichlw Kreise um die Sonne zu bewegen, ungefähr so wie man einen an einen Fadenbefestigten Stein um die Hand schleudert, und der weit fortfliegt wenn der Fadenreißt. Aber mit dem Unterschiede, daß es unsere Hand ist, die den Stein zwingt, sichum sie berum zu drehen, während hingegen nach der Attraktionslehre der Stein sich«on selbst drehte, Kraft eines ihm eigenen Triebes, nach welchem er beständig ingerader Richtung wie ein blindes Thier fortzuschreiten streben soll, eine Kraft, welchewahrlich für eine Art Seele oder Leben gehalten werden müßte. Diese ewig in gera-Linie wirkende Kraft hat man Wurskrast genannt, weil sich die Idee damit verbindenläßt, als wäre sie durch einen ungeheuren Stoß entstanden. Wer kann aber einensolchen Stoß oder eine Wurfkraft begreifen, die sich ewig gleich bleiben soll, obschonsie sich immer mehr von dem Wurf oder dem Stoß entfernt. Nie hat aber auch einePhilosophie einen Schöpfer so spielend dargestellt, der da beschäftigt ist, wie beim Bil-lardspielen, den Weltkorpern einen heftigen Schupp zu geben.
Die Wurfkraft ist eine Erscheinung auf deren Möglichkeit uns nirgend eine Er-fahrung auch nur im fernsten hindeutet, die blos aus dem Gehirn eines Metaphysikersentsprungen ist, und die der Verstand eben so wenig fassen kann, als das Geheimnißder heiligen Dreifaltigkeit. Jede Materie soll demnach schon zwei übernatürliche undkaum denkbare Kräfte haben, die eine ohne Seil oder Haken alle andere Materie an sichzu ziehen, oder zu sich zu winken, ohne jedoch ein Zeichen zu geben; die andere, un-ablässig in gerader Linie fortzulaufen. — Bei der geringsten Verminderung der Be-wegung in gerader Richtung müßten sie in die Sonne stürzen; durch die Verminderungder Attraktion hingegen würden sie über die Tragente ins Unendliche fortfliegen, so daß,wenn das Gleichgewicht dieser beiden Kräfte aufhörte unser ganzes Planeten-Systemvernichtet wäre. Denn wenn die Anziehungskraft die Oberhand erhielte, würde sich alleMaterie zu einer einzigen Masse in der Sonne anhäufen; wenn sich im Gegentheile dieAnziehungskraft auch noch so wenig verminderte, so würde die andere Kraft die Plane-ten ewig in gerader Linie fortbewegen. Die eine und die andere dieser Annahmen haben,selbst wenn man sie nicht prüft, etwas Ungereimtes und Wunderbares, weil es in derNatur nichts Aehnliches gibt, und es war gewiß die ganze Gewandheit eines Genies wieNewton nöthig, um sie während eines ganzen Jahrhunderts in Kredit zu erhalten.
Man begreift, daß ohne das vollkommene Gleichgewicht dieser beiden Kräfte dasWeltgebäude, welches die Attraktionslehre im leeren Raume errichtet hat, nicht einenAugenblick bestehen könnte. — So stehts mit dem Weltgebäude nach diesem Gedicht.Ganz anders aber verhält es sich in der Wirklichkeit. Dieses so nöthige Gleichgewichthat nicht Statt und das Weltall steht dennoch fest. Dies ist einer dieser auffallendenWidersprüche, zu denen immer ein der Wahrheit entgegengesetzter Weg führen muß.Die Anziehungs- und Abweichungskräste lassen abwechselnd nach, so daß die Planetenweit entfernt sind, sich, wie wir eben annahmen, in Kreisen um die Sonne zu bewe-gen, sondern in elliptischer Bahn sich abwechselnd von derselben entfernen und sich ihrwieder annähern, und dennoch stürzen die Planeten weder in die Sonne, noch in gera-der Linie fort. — Wie wird aber die einmal überwundene Kraft das Gleichgewichtwieder herstellen und nun ihrerseits ein Uebergewicht über die andere erlangen?Auf eine natürliche Weise gewiß nicht. Man hat daher noch eine dritte, unnennbare,das gebrochene Gleichgewicht jedesmal herstellende Kraft erdacht, welche immer wie einerettende Gottheit der schwächern Kraft zur rechten Zeit zu Hülfe kommt, um sie wie-der über die stärkern zu erheben. So sind denn im Attraktionssystem statt einer dreiKräfte nöthig, um blos die Bewegungen der Planeten zu erklären; alle drei aber sindUngereimtheiten, die in der That nicht eine einzige Naturerscheinung erklären.
Solchem Unsinn gegenüber, wird dennoch Mancher es gerne beim Alten lassen, und