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Wer anstatt seine Zinsen vom Zufall des Spiels zu erwarten, vorzieht sie sicherzu genießen, nimmt lieber wachsende Scheine, wie hier unten näher angegeben wird.— Es muß nur, wie jedes Vermögen seine Einkünfte, jedes Geld bis zur kleinstenSumm- unaufhörlich seine Zinsen aufbringen. Ist einmal dieser, auf der strengstenGerechtigkeit beruhende, und zum Erstaunen im töten Jahrhundert noch nicht bekannteGrundsatz von jedem verstanden und angenommen, so wird man Geld, was nicht be-ständig anwächst oder Zinsen gewinnt, eben so sonderbar finden, wie jetzt ein Gut,das keine Revenüen gibt.
VI. Plan einer Zinsen-Lotterie für Eisenbahnen und andernöffentlichen Anlagen.
Es wird in mancher Gelegenheit dem Privatmanne zu Hilfe gekommen, indemman ihm erlaubt, ein Meuble oder ein Landgut öffentlich zu verlosen; warum sollenEisenbahnen und andere öffentliche Anlagen, die den Nationalwohlstand befördern undohne allgemeine Beiträge nicht zu Stande zu bringen sind, nicht auch die Hilft einerVerlosung in Anspruch nehmen, und zwar einer solchen, die nicht, wie die bis jetzt be-stehenden, verderbend für die Spieler ist, sondern sie um die ganze Summe, womitsie spielen, bereichert.
Es herrscht nur eins Stimme über das unheilsvolle Wesen der Lotterieen, unddie Abschaffung dieser Anstalten ist allenthalben reif Es geht aber mit der Abhilfedieses Unheils, wie mit der allgemeine?: Entwaffnung: das Land, welches sie zuerstvornimmt, könnte ein Opfer dieser wohlthätigen Maßregel werden. Das Land, welcheszuerst oder sogar allein die Lotterie abschafft, könnte die geringen Vortheile dieser Ein-richtung verlieren, ohne dem Unheile derselben steuern zu können, weil nämlich die Lot-terieloose fremder Lotterieen die einheimischen ersetzen würden. Ein anderer Umstand,der bei der Abschaffung der Lotterieen in Betracht zu kommen verdient, ist der, daßmit den Lotterieen nicht zugleich die Spielsucht vernichtet werden kann, und diese aufvielen andern Wegen ihre Befriedigung suchen wird.
Die zu lösende Ausgabe wäre demnach: erstens die schädliche Spielsucht, da sienicht abzuschaffen ist, in wohlthätige Sparsucht zu verwandeln; zweitens dem Lande,welches mit dem Beispiele der Abschaffung der unglücksvollen Lotterieen vorangeht,statt eines zu befürchtenden Nachtheils, großen Vortheil über andere Länder zu er-werben.
Da die Neigung der Menschen lieber durch den Zufall des Spiels, als durch Ar-beit zu gewinnen, unserer Natur anhängig ist, so muß versucht werden, anstatt derangeborncn Leidenschaft ohne Erfolg entgegen zu arbeiten, sie zu einem bessern Zweckehinzulenken, sie weniger schädlich zu machen. — Wenn es möglich zu machen ist, daßder leidenschaftliche Spieler seine Einlagen niemals verliert, daß sie sich hingegen inseiner Kasse anhäufen, so wird das Spielen kein Unglück mehr seyn. Jetzt geht demunglücklichen Spieler bei jeder Ziehung seine Einlage verloren, er findet sich in seinerHoffnung getäuscht und versucht abermals, und vielleicht mit seiner letzten Habseligkeitdas Glück zu erzwingen, und so stürzt er endlich in die Verzweiflung, welche so man-chen Selbstmord nach sich gezogen hat.
Die Lotterieloose müssen nicht mit jeder Ziehung werthlos werden, sondern ihrenvollen Werth behalten, und dadurch eine Münze seyn, deren Zinsen, und nicht dasCapital selbst, ausgespielt werden. Wer nun solche Loose eingelöst hat und nicht ge-winnt, behält noch immer Hoffnung, bei einer folgenden Ziehung zu gewinnen, undwill er seine Hoffnung vermehren, so steht ihm frei, mit seinen fernern Ersparnissennoch mehr Sooft zu kaufen, die ebenfalls immer ihren Werth behalten; so häuft der