Den Mond störende Kräfte.
155
Mondsstörungen so beträchtlich sind, dass sie schon vonden älteren Astronomen wahrgenommen wurden, und dahernoch ein historisches Interesse haben; aus diesen Gründenwollen wir auch gegenwärtig, um uns von den Störungs-rechnungen zuerst einen übersichtlichen Begriff zu verschaffen,mit der Mondstheorie den Anfang machen.
Zweites Kapitel.
Von den Kräften, durch welche die Bewegung desMondes um die Erde gestört wird.
§. 98.
Bei den Störungen, welche die Sonne im Laufe desMondes um die Erde hervorbringt*), tritt der eigenlhüinlicheFall ein, dass die Masse der Sonne, als des störenden Kör-pers , mehr als 300000 mal grösser ist als die Masse derErde (§. OG.), welche die Stelle des Hauptkörpers einnimmt,während bei den Planetenstörungen die Masse der Sonne,als des Hauptkörpers, die Masse des störenden Planeten beiweitem überwiegt. Weil aber die Sonne gegen 400 mal wei-ter, als der Mond, von der Erde entfernt ist und sie folg-lich auf Erde und Mond nahe mit gleicher Kraft wirkt, sosieht man schon im Voraus, dass die zu entwickelndenStörungen, als welche nur in dem Unterschiede jener Wir-kungen bestehen, der Grösse der störenden Masse ungeach-tet, doch nicht allzu bedeutend sein können. Die nach-folgende Rechnung wird dieses bestätigen.
*) Die Störungen, welche der Mond von den Planeten erleidet,sind höchst unbedeutend. Nach Damoiseau’s Mondstafeln kann dieStörung der Länge des Mondes durch Venus, als denjenigen Planet,welcher ihm am nächsten kommen kann, nur bis auf 1",3, und dieStörung durch Jupiter, als den massenreichsten Planet, nur bis auf0",8 steigen,