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Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Fürstbischofes von Breslau, Melchior Freiherr von Diepenbrock, an den gesammten ehrwürdigen Clerus und alle Gläubigen des Bisthums bei seinem Amts-Antritte erlassen
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folgt gelassen, und Seinen, den Pforten der Hölle trotzenden Bau demZufalle und menschlicher Willkühr preisgegeben haben?

Nein, wahrhaftig! das hat Er nicht, Er, der scheidend sagte:Sehet,Ich bin bei euch alle Tage bis an's Ende der Welr*.)," und:derGeist, den euch der Vater in meinem Namen geben wird, der wird euchleiten in alle Wahrheit")."

Und sein Wort ist wahr geworden, denn es ist die Wahrheit! Das vonIhm auf dem Felsen Petrus gebaute Haus hat seit achtzehn Jahrhun-derten die Probe bestanden. Die drangenden wühlenden Fluthen sindnicht ausgeblieben. Zuerst eine dreihundertjährige Blutfluth, die aber desHauses Mauern nur fester kittete; dann aus allen Punkten der Windrosedie gewaltigsten Regengüsse, die heftigsten Sturmfluthen: griechischeSophistik von der einen, nordische Rohheit und Barbarei von der andern,orientalischer Fanatismus von der dritten Seite, und gefährlicher noch,als Alles dies, das Anschwellen und Aufdrangen der wilden Grundwasserim Innern des Baues selbst, durch irdischen Besitz, irdische Macht undHerrlichkeit und ihre für den schwachen Sterblichen so machtige Ver-lockung.

Manchen Schlamm, aber auch manche vorübergehend nützliche irdischeAnschwemmung hatte diese mittelalterliche Wasscrschwcllung um des gött-lichen Baues Umfang abgesetzt. Da kam vor dreihundert Jahren eineneue mächtige Sturmfluth. Aber obwohl gegen des Hauses Grundpfeilergerichtet, vermochte sie doch nicht, diese zu unterwühlen und zu stürzen,sondern mußte unter göttlicher Leitung nur dazu dienen, das Ange-schwemmte größtcntheils hinwegzuspühlen und die Ausdehnung des Bauesauf die göttlich gelegten Grundfesten zurückzuführen und diese in ihrerunerschütterlichen Festigkeit Heller an das Tageslicht hervorzubringen.Von da an bis auf unsre Tage herab haben dann die Wellen nicht aufge-hört, zu wühlen in dem Grunde, zu nageu an dem Gemäuer. Einenwahren Wolkenbruch hat die Hölle am Ende des vergangenen Jahrhun-derts noch gegen die Kirchellosgestürzt, eine Fluth des Spottes und Grim-mes zuerst, und dann der blutigsten Verfolgung; erdrückt und zermalmtsollte die Jnfamirte werden, an deren Fugen Witz und Hohn vergeblichgenagt. Aber sie hat auch diese Feuerprobe, die ihr nur zur Läuterungdiente, ebenso wie die der tiefsten historischen Forschung und der krittelnden,alles zersetzenden Wissenschaft siegreich bestanden; und was auch seitMcnschcngevenken die schäumend anschwellende, trüb und schmutzig dahin-brausende Geistesstrümung unsrer Tage alles niederbrechen, unterwühlenund zusammenstürzen, wie viel entwurzelte Bäume, wie viel Trümmer

") Malth. 88. 80. Jvh. t4, 80; tg. t3.