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Friedrich des Großen Betrachtungen über die Regierungsformen und die Pflichten der Regenten : von ihm selbst niedergeschrieben
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Heerde» zu vermehren, um dadurch mehr Milch, Butter, Käseund Dünger zu gewinnen; dann einen genauen Anschlag überdie Quantität der verschiedenen Arten Getreide zu haben, dieman in guten, mittelmäßigen und schlechten Jahren gewonnen;den Verbrauch davon abzurechnen, und nach diesem Ergcbnißzu sehen, was an Ucbcrfluß vorhanden ist, von dem die Aus-fuhr erlaubt sein muß; oder was für den Verbrauch fehlt, undman sich zum Bedarf anschaffen muß. Jeder Regent, dem daSöffentliche Wohl am Herzen liegt, ist verbunden, sich mit wvhl-gefülltcn Magazinen zu versehen, um einer schlechten Erndte zuHilse zu kommen, und einer Hungcrsnorh vorzubeugen. Wirhaben in Deutschland während der schlechten Jahre 1771 und1772 daS Elend gesehen, das Sachsen und die Provinzen desReichs erlitten haben, weil diese so nützliche Vorsicht vernach-läßigt worden war. DaS Volk zerrieb Eichenrinde, die ihmstatt der Lebensmittel diente. Diese jämmerliche Nahrung be-schleunigte seinen Tod; viele Familien kamen ohne Hilfe um, war eine allgemeine Trostlosigkeit; andere verließen bleichund abgemagert ihre Heimath, um anderwärts Hilfe zu suchen;ihr Aitblick erregte Mitleid, ein Herz von Erz würde Mitgefühlgehabt haben. Welche Vorwürfe mußten sich nicht ihre vorge-setzten Behörden machen, Zuschauer solchen Elends zu sein, ohnedemselben abhelfen zu können.

Wir gehen zu einem andern, vielleicht eben so wichtigenGegenstände über. ES giebt wenig Länder, in denen die Bür-ger von einerlei RcligionSmeinungcn wären; dieselben weichenoft ganz voneinander ab; eS giebt deren, die man Sekten nennt.Da entsteht die Frage: müssen alle Bürger gleich denken? oderkann man Jedem gestatten, nach seiner Weile zu denken? Fin-stere Politiker werden sagen: alle müssen einerlei Ansicht haben,damit nichts die Bürger uncinS macht. Der Theolog fügt hin-zu: wer nicht denkt, wie ich, ist verdammt, und eS geziemt sichnicht, daß mein Monarch ein König über Verdammte sei; manmuß sie also in dieser Welt vernichten, damit sie desto besser injener andern gedeihen. Hierauf läßt sich erwidern, daß nie-mals eine Gesellschaft gleich denken wird; daß unter den Christ-lichen Nationen die meisten Anthropomorphiten sind, und unterden Katholiken ein großer Theil Götzendiener ist. Wenigstenswird man mich nie überzeugen, daß ein Bauer die dem wah-ren Gott allein gebührende Verehrung («mite ä« Inti-io) unddie Verehrung der Mutter GottcS (cnlw DIlzi'anIulia) unter-scheiden kann; gläubig betet er das Bild an, zu dem er fleht.Es giebt also eine Menge Ketzer in allen Christlichen Sekten;überdieß glaubt ein Jeder, was ihm wahrscheinlich erscheint.Man kann einen armen Wicht zwingen, ein bestimmtes Formu-lar herzusagen, dem er seine innere Zustimmung verjagt; damithat jedoch der Verfolger nichts gewonnen. Geht man auf den