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Friedrich des Großen Betrachtungen über die Regierungsformen und die Pflichten der Regenten : von ihm selbst niedergeschrieben
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sagt, ist seine Pflicht, zur Ausübung zu bringen. In denmeisten Staaten Europa's giebt es Provinzen, wo die Bauernan die Erdscholle gebunden, Leibeigene ihres Edelmanns sind.Bon allen Zuständen ist dieß unstreitig der unglücklichste, undderjenige, welcher die Menschlichkeit am meisten empört. Ge-wiß ist kein Mensch geboren, um der Sklave seines Gleichenzu sein. Mit Recht verabscheut man einen solchen Mißbrauch,und glaubt, daß man nur zu wollen brauche, um diese barba-rische Sitte abzuschaffen. Dem ist aber nicht so, denn sie hängtmit alten, zwischen dem Grundherrn und den Ansiedlern abge-schlossenen Verträgen zusammen. Der Ackerbau ist in Folgeder Dienstleistungen der Bauern eingerichtet. Wollte man plötz-lich diese abscheuliche Verwaltung aufheben, so würde man dieLandwirthschaft gänzlich umstoßen, und müßte zum Thcil denAdel für die Verluste entschädigen, die er dadurch in seinenEinkünften erleiden würde.

Hiernächst zeigen sich Manufakturen und Handel als ein nichtminder wichtiger Gegenstand. Damit ein Land sich in einerblühenden Lage erhalte, ist eS unumgänglich nöthig, daß dieBilanz des Handels zu seinen Gunsten sei. Wenn c's mehr fürdie Einfuhr zahlt, als es durch die Ausfuhr gewinnt, so mußeS unfehlbar von Jahr zu Jahr ärmer werden. Man stelle sicheinen Beutel mit hundert Ducatcn vor; man nehme täglich einenheraus, ohne etwas hincinzuthun, und man wird zugeben, daßin hundert Tagen der Beutel leer ist. Folgendes sind die Mit-tel, um diesem Verluste vorzubeugen: alle llrstoffe, die man be-sitzt, sowie alle fremden verarbeiten zu lassen, um de!? Arbeits-lohn zu gewinnen, und wohlfeil zu arbeiten, um sich den aus-wärtigen Absatz zu verschaffen. WaS den Handel betrifft, soberuht er auf drei Punkten: auf dem Ucbcrfluß der Lebensmit-tel, die mair ausführt, auf denen unserer Nachbarn, die unsbereichern, indem sie dieselben ünS verkaufen, und auf den frem-den Waarcn, die wir unserS Bedürfnisses willen einführen. Nachdiesen angeführten Erzeugnissen muß sich der Handel eincSStaats richten, und man sieht, wovon er nach der Natur derSachen abhängig ist. England, Holland, Frankreich, Spanienund Portugal haben Besitzungen sin beiden Indien/und durchihre kaufmännische Marine ausgedehntere Hilfsquellen, als dieandern Reiche. Die Vortheilc/die man hat, zu benutzen, undnichts über seine Kräfte zu unternehmen, das ist der Rath derWeisheit.

Noch bleibt uns übrig, von den geeignetsten Mitteln zusprechen, um sich einen beständigen Uebcrfluß von Lebensmittelnzu sichern, dessen die Gesellschaft zu ihrem Gedeihen nothwcn-dig bedarf. Das erste besteht darin, Sorge zu tragen, daß derGrund und Boden gut bearbeitet werde; allen Boden, der et-was hervorzubringen im Stande ist, urbar zu machen: die