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Friedrich des Großen Betrachtungen über die Regierungsformen und die Pflichten der Regenten : von ihm selbst niedergeschrieben
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im Stande sind, erfordert die Klugheit, daß mau sich mit andernMächten verbinde, theilS um der Hilfe im Falle eines Angriffsgewiß zu sein, tbeils um die gefährlichen Plane seiner Gegnerzurückzudrängen, theils um mit Hilfe dieser Bundesgenossen ge-rechte Ansprüche denen gegenüber zu behaupten, die sieh den-selben entgegensetzen wollen. Aber dieß ist nicht genug; manmuß bei seinen Nachbarn, besonders bei seinen Feinden, offeneOhren und Augen haben, die treu berichten, was sie sehen undhören. Die Menschen sind boshaft. Man muß besonders aufseiner Hut sein, überrascht zu werden, weil Alles, was über-rascht, erschreckt und aus der Fassung bringt. Dieß geschiehtnie, wenn man vorbereitet ist, wie unangenebm auch das Er-eignis sei, auf das man gefaßt sein muß. Die EuropäischeStaatSkunst ist so trüglich, daß auch der Allervorsichtigste hin-tergangen werden kann, wenn er nicht beständig wachsam undauf seiner Hut ist.

DaS militärische System muß gleichfalls auf guten Prin-cipicn beruhen, welche sicher und durch die Erfahrung bewährtsind. Man muß den Geist der Nation kennen, wissen, wessensie fähig ist, und wie weit man seine Unternehmungen wagendarf, wenn man sie gegen den Feind führt. In unserer Zeitist cS nicht erlaubt, die Gebräuche der Griechen und Römer imKriege anzuwenden. Die Erfindung des SchießpulvcrS hatgänzlich die Art der Kriegführung geändert. Gegenwärtig ent-scheidet die Ueberlegenhcit des Feuers den Sieg. Das Ererci-ren, die Reglements und die Taktik sind umgestaltet worden, umsie diesem Gebrauch anzupassen; und in neuester Zeit zwingtuns noch der ungeheure Mißbrauch einer zahlreichen Artillerie,welche die Heere schwerfällig macht, gleichfalls diese Weise an-zunehmen, sowohl um uns in unserer Stellung zu behaupten,als um den Feind in der scinigcn anzugreifen?, im Fall wichtigeGründe dieß erheischen. So viel neue ausgesuchte Erfindun-gen haben die Kriegskunst verändert, daß eS heut zu Tage voneinem General Vermcsscnheit wäre, einem Turenne, Condü,Lurcmburg nachzuahmen, und eine Schlacht nach den Dispo-sitionen zu wagen, welche jene großen Feldherren zu ihrer Zeitgemacht haben. Damals trugen Tapferkeit und Macht denSieg davon; jetzt entscheidet daS Geschütz Alles, und die Ge-schicklichkeit eines Feldherrn besteht darin, seine Truppe?? sich demFeinde nähern zu lassen, ohne daß sie vernichtet sind, bevor sieden Angriff beginnen. II»? sich diesen Vortheil zu verschaffen,muß er das Feuer dcS Feindes durch die Ueberlegenhcit dcSihn? entgegengesetzten zun? Schweigen bringen. Aber was vonewiger Darier in der Kriegskunst bleiben wird, ist die Castra-metric, oder die Kunst, den möglichst großen Vortheil auseinem Terrain z?r ziehen. Werde?? noch mehr neue Erfindun-gen gemacht, so ist es nothwendig, daß die Feldherr?? der Zeit