Druckschrift 
Friedrich des Großen Betrachtungen über die Regierungsformen und die Pflichten der Regenten : von ihm selbst niedergeschrieben
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

9

läßigkeit und einer gelvissei: stoisch«: Gleichgiltigkeit ausgeführt,»voraus der Verfall der Justiz, der Finanzen und dcö Militärsentsteht. Aus einer Monarchie, welche sie war, artet eine solcheRegierung in eine wahre Aristokratie aus, wo die Minister undGenerale die Geschäfte nach ihren Launen leiten: man kenntdann kein allgemeines System mehr; /jeder folgt seinen eigenenIdeen, und der Mittelpunkt, der Punkt der Einheit ist verloren.Wie alle Federn einer Uhr sich zu einem Ziele vereinigen, wel-ches darin besteht, die Zeit zu messen, so sollte das Triebwerkeiner Regierung ebenfalls so eingerichtet lein, daß alle verschiedenenTheile der Verwaltung zum größten Wohl des Staats in einandergreifen, der wichtigste Gegenstand, den man nie aus den Augenverlieren darf. Ueberhaupt macht eS der Persönliche Vortheil derMinister und Generale gewöhnlich, daß sie sich in Allem ent-gegenarbeite!:, und daß sie zuweilen die Ausführung der bestenDinge verhindern, bloß weil sie es nicht sind, die sie vorgeschla-gen haben. Aber daö Ucbel erreicht seinen Gipfel, wenn esschlechten Menschen gelingt, den Herrscher zu überzeugen, daßsein Interesse von dem seiner Untcrthanen verschieden ist. Dannwird der Monarch der Feind seiner Völker, ohne zu wissenwarum; er wird hart, strenge, unmenschlich auö Mißverstand:denn da der Grundsatz, von dem er ausgeht, falsch ist, somüssen es die Folgen natürlich auch sein. Der Herrscher istdem Staatskörper durch unauflösliche Bande verbunden. Da-her empfindet er durch Rückwirkung alle Leiden, die seine Untcr-thanen betreffen; und die Gesellschaft leidet desgleichen durchjedes Unglück, daö ihrem Regenten zustößt. Es giebt nur EineWohlfahrt, die des Staats in: Allgemeinen. Wenn der FürstProvinzen: verliert, so ist er nicht im Stande, wie früher, seinenUnterthanen beizustehen; haben Unfälle ihn genöthigt, Schuldenzu machen, so müssen die armen Bürger sie abtragen. Ist da-gegen die Volksmasse nur gering, schmachtet sie im Elend, soist der Herrscher jeder Hilfsquelle beraubt. Dicß sind so un-bestreitbare Wahrheiten, daß es nicht nöthig ist, sie noch weiterzu erörtern.

Ich wiederhole eS daher, der Herrscher rcpräsentirt denStaat; er und sein Volk bilden nur Einen Körper, der nur in-sofern glücklich sein kam:, als die Eintracht ihn vereinigt. DerFürst ist der Gesellschaft, die er regiert, was der Kopf dem Kör-per ist: er muß für die ganze Gemeinschaft sehen, denken undhandeln, um ihr alle Vortheilc, deren sie empfänglich ist, zuverschaffen. Will man, daß die monarchische NcgicrungSformeS der republikanischen zuvorthue, so ist daö Urtheii deö Herr-schers ausgesprochen: er muß thätig und redlich sein, und alleseine Kräfte sammeln, um die geöffnete Bahn rühmlich zurück-zulegen. Folgendes ist die Vorstellung, die ich mir von seinenPflichten mache-