erhalten. Die Tradition berichtet, daß hier dereinst die Hans-bäder eingerichtet gewesen seien. Ihre Herrichtnng stillt lautinschriftlichem Zeugnis allerdings erst in die Jahre 1570—1572,wir glaubten aber des Zusammenhangs halber schon an dieserStelle ans sie aufmerksam machen zu dürfen. Die dekorativeAusstattung dieser Räume mit Fresken, welche die Verherr-lichung des Fngger'schen Hauses, symbolisiert durch dessenWappen, zum Gegenstande haben und offenbar von italienischenHänden ausgeführt sind, gehört zum herrlichsten dieser Art,das wir in Deutschland besitzen. Bis in die neueste Zeit hatteman diese geistvollen und lieblichen Bilder dem großen MeisterTizian zugeschrieben. Es ist immerhin möglich, daß er dieEntwürfe angefertigt und die Arbeit geleitet hat — gemalt hat erdie Bilder nicht, sondern, wie dies ans einer versteckten Inschrifthervorgeht, ein anderer Meister seiner Schule, Antonio Ponzano.
Ein den Ruhm seines Geschlechts lange überdauerndesAndenken sicherte sich Jakob Fngger durch die Gründung der„Fnggerei", jener inmitten der Stadt gelegenen, in sich ab-geschlossenen Stadt der Armen, deren Eigenart noch heute dieAufmerksamkeit aller Fremden erregt. Die Gründung diesereminent wohlthätigen Anstalt wird uns durch eines der großenFrescobilder des Fnggerhauses in zutreffendster Weise ver-gegenwärtigt. In der Mitte zeigt Jakob Fngger seinem Neffenden Bauplatz; seine Gemahlin theilt Brod unter die Armenaus, die sie umringen. Rührig wird an den Häusern ge-baut, die zum Theil schon vollendet sind. Die „Fnggerei" —wie diese Armenstadt im Volksmnnde genannt wird — istrings von Mauern umgeben, durch welche vier Thore, welcheNachts abgesperrt werden, in das Innere der durchaus sauberen,ja hübschen Kolonie führen. Sechs Straßen durchschneidendieselbe rechtwinkelig. Im Ganzen sind es dreiundfünfzigHänser mit einhnndertsechs Wohnungen, welche den ärmerenEinwohnern der Stadt Augsburg gegen die kaum nennens-werthe jährliche Miethe von zwei Gulden eingeräumt sind.Jakobs Zeitgenossen aber waren des Lobes voll über seineMnnificenz, „durch die er im ganzen Reiche und an allenHöfen in großes Ansehen gekommen, da er nicht, wie etwa