Die Geschichte der Fugger von ihren ersten Anfängen anbis zu ihrer höchsten Blüte hinauf zu verfolgen, gewährt eineneigentümlichen Reiz. Als sie von einem kleinen Dorfe ansdem Lcchfeld nach Augsburg übersiedelten, arbeiteten sie inder bescheidensten Weise, völlig verborgen und unbekannt,zwei Menschenalter hindurch. Der ältere Jakob Fugger hattenoch ein ganz mäßiges Vermögen, als er starb; seine Wittwekonnte ihren Söhnen nur erhalten, was sie besaß. In deneinfachsten Verhältnissen zog sie die Kinder groß, diese lerntenaber in solcher Bescheidenheit auch das rechte Maß kennen,welches den bürgerlichen Wohlstand mit Sicherheit begründenlehrt. Sie hatte noch allen ihren Kindern von der treuenHausmagd die Firmbinde umbinden laßen, und doch warschon ihr Sohn Jakob in der Lage, mit seinen: Reichthume dieKniserwahl zu entscheiden. Mit seinen Brüdern Ulrich undGeorg begründete er den Ruhm des Fugger'schen Namens.
Es war aber nicht allein das Geld, was der Familieden großen Namen machte. Nicht weil die ungeheueren Er-trägnisse der Bergwerke Ungarns, Jstriens und Tirols in demHause Jakob Fuggers zusammenflössen, ertönte die ganzedamalige civilisierte Welt von ihrem Ruhme, sondern weiljenes Geld benutzt wurde, der Wissenschaft und Kunst, derWohlthätigkeit und dem Vaterlande die edelsten Dienste zuerweisen. Jakob Fugger wußte, was er that; sein Geist undHerz drängte ihn dazu, als er, selbst kinderlos, den früh ver-waisten Kindern seiner Brüder eine wissenschaftliche Ausbildungzu Thcil werden ließ, die Bestrebungen der Gelehrten unter-stützte, bei der Erbauung des Chores von St. Anna wie beider seiner Grabkapelle alle Künste beschäftigte, für die Armeneine Stadt in der Stadt baute, bei jeder Theueruug seineKornspeicher öffnete und, als Deutschland in Gefahr war, seineKaiserkrone zu verlieren, die ungeheuren Summen darlieh,mit welchen Karl V. die Stimmen der Kurfürsten kaufen mußte.
Man liest gewöhnlich, daß der Erste dieses weltberühmtenGeschlechts im Jahre 1370 von dem Dorfe Graben, östlichvon Schwabmünchen am Westrande des Lechfeldes gelegen,in Augsburg eingewandert sei. Es ist dies aber schon zwei
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