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Unterhaltungen für gläubige Seelen
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170 VI. Cap. Von der rechten Anwendung

rern Gott, im Ierem. 8, 9. saget: Was können sieGutes lehren, da sie des Herrn Wort verachten!

§. 37.

So gewis es nun ist, daß die Erbauung und Be-förderung in der Erkenntnis unseres Heils,der einige Zweck seyn muß, der uns zum fleißigen For-schen im Worte Gottes antreibt, eben so muß auch je-der mündliche und schriftliche Vortrag der Heilswahr-heilen, keinen andern Zweck, als diesen haben; undum diesen zu erreichen, so ist die einfältige und un-gekünstelte Art des biblischen Vortrags grade diejenige,durch welche jener Zweck am nächsten erlangt werdenkann.

§. 38.

Wer oft scheint es, daß viele überhaupt keinenrichtigen Begriff von dem haben, was die Bibel unterdem Ausdruck: Einfalt des Herzens, Glaubens, desLebens, der Erkenntnis:c. verstanden haben will; siereduciren diese köstliche Tugend, aus falschem Begriffsehr oft, zu einem Benehmen und Thun herab, welchesdas Gepräge des eigentlichen Wortverstandes, der Eiu-falt trägt^ und von Schwäche und Kraftlosigkeit derSeele, bei aller sonst guten Meinung dabei, zeuget,und denen der Zuruf Syrachs gilt: Siehe zu, daß Dichdeine Einfältigkeit nicht irrre führe: Syr. ig, 10.Wenn nach diesen: unrechten Begriffe, nun auch dieevangelische Einfalt im Vortrag der Religions-Wahr-heiten, verstanden wird, so entstehet daraus, was oftgeschiehet, daß die erhabene Würde, die Heiligkeit undKraft der Heilswahrheiten des göttlichen Wortes, durchPopularität, Unordnung, Unbestimmtheit im Vortrage,herabgewürdigt, und entkräftet wird, und bei vielender Vortrag der Wahrheit, nicht den vollen Seegen der