i?4 VI. Cap. Von der rechten Anwendung
das geoffenbarte Wort, nnd der Wille Gottes an dieMenschen, znr Beförderung ihres ewigen Heils. Allesnun, was Gott darinn sagt, das redet er auch zu mir.Was Gott zum ganzen menschlichen Geschlechte, oderzu einzelnen Völkern, oder zu einzelnen Personen redet,das redet er alles auch zu mir: denn es sind entwe-der Gebothe, Drohungen oder Verheißungen, die michalle angehen. Von allen muß und kann ich eine An-wendung auf mich machen, und einen Seegen für meinHerz daraus ziehen. Unter die Titel von Buße, Glaube,Liebe, Geduld, Ergebung, Furcht Gottes, Treue undGehorsam, vertheilet sich der ganze Jnnhalt der Bibel;und alles dieses fordert Gott auch von mir, es sei mirnun in der Schrift geradehin, oder durch Erzählungen,oder durch Gleichnisse vvrgestcllet.
§. 8.
So wie ich mir nun den belehrenden Theildes got tlichen Worts ganz zueigne, eben so auch de»verheißenden Jnnhalt derselben. Alle Verheißun-gen Gottes, so viel deren, so mannigfaltig, groß undgottlich sie auch sind, sind auch mir gegeben, und ichdarf sie mir alle zueignen, so bald ich die feste Glau-bens und Willens Entschloßcnbcit habe, mich Gott indie vorgezeichnete Ordnung der Wege hinzugeben, aufwelchen wir der Erfüllung derselben theilhaftig werdenkönnen; und wenn ich mich in Geduld- und Glau-bens-Zuversicht auf die Treue desjenigen verlasse, dersie verheißen hat, dessen Zusagen alle Ja und Amenin ihm sind. 2 Cor. r, 20. Wenn auch nun der himm-lische Vater mit der Erfüllung seiner Verheißungen ofteine lange Weile verzeucht, so habe ich doch das festeVertrauen, daß er sie darum nicht aufhebe; denn erist wahrhaftig, Ps. ZZ, 4. und was er zusagt, dashaltergewiß, Rbm.4,4. Ebr.11, 11. und ist allmach-