164
Die Galanterie der Ritter brachte die so-genannten Liebcshöfe hervor, die vom rettenbis zum i4tcn Jahrhundert herrschend waren.Sie gehörten zu den Erfindungen der Trou-badours; daher traf man sie auch am mei-sten in der Provence an. Den Vorsitz indenselben führten Könige, Fürsten, oderauch berühmte Prinzessinnen, und es gab beyihnen alle Diener und Beamten, die manbey den Parlamentern antraf. Vor diesenLiebeshöfen - oder Gerichten wurden nun überdie Klage» von Liebenden, über die Rechtevon Männern und Weibern, und Geliebten,Urtheile gefällt. Sie gaben aber zugleicheine Liebes - Akademie ab, in welcher manüber das Wesen und die Aeusserungen derLiebe, über die Vollkommenheiten und Man-gel der Schönen, über die Rechte, Verbind-lichkeiten und Aufopferungen der Liebenden,scholastisch - spitzfindige Untersuchungen anstellte.Antithesen und Wortspiele kamen dabcy inMenge vor. Karl VI von Frankreich hielt(izgo) einen sslchen Liebcshsf, der völligeben so wie eilt andrer Hof eingerichtet war,und an welchem Doctoren der Theologie,Domherren und andre Geistliche, Anthcil nah-men.