Vom Feuer. 157
§. 229.
Das Zerschmelzen isr unstreitig eines von den wich-tigsten Phänomenen auf unsrer Erde, und wenn manvon Ursachen handelt, muß diesem eine beygelegt wer-den. Sagt man, dies bewirke die Wärme, ohne zusagen wie; so heißt das nur die Sache wiederholen.Wenn das Eis zu einer gewissen Temperatur gekom-men ist, so schmelzt es, aber warum? Mit einigenPhysikern vorzugeben, daß die Theilchen eines festenKörpers, durch die Wärme getrennt, nicht mehr ssvielen Zusammenhang unter sich haben, also wenigerReiben erleiden, und daher ohne Mühe ihrer gegensei-tigen Attraktion und Schwere nachgeben, hieße hierder Thatsache widersprechen: denn wenn das Eis schmelzt,nimmt sein Volumen ab. Die Wärme muß also aufeine andre Weise wirken, um das NüssigseyN hervorzu-bringen. Ein Umstand, den man alsdann bemerkt, mußBeziehung auf die Ursache des Phänomens haben: indem Augenblicke nämlich, da das Schmelzen vor sichgeht, ändert sich die Temperatur der Substanz nicht,ob man gleich fortfahrt ihr Wärme mitzutheilen. Die-selbe Ursache also, welche bey andern Umständen, eineVermehrung der Wärme würde hervorgebracht haben,bringt jezt keine hervor; sondern das Schmelzen gehtvor sich. Dieses ist also ein Weg, der zu einer wirkli-chen Erklärung dieses Phänomens der Wärme führenmüßte. Es käme nur darauf an, einen Begriff von derUrsache der Wärme zu geben, und von der Art, wiesisdie eine und andre von diesen Wirkungen hervorbringt,aber allein, die eine oder andre auf einmal, und dieöglaube ich gethan zu haben.
§. 2Z0.