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„Kaufleute — schrieb Lipius 1761 — sind das Leben eines Staates.Sie geben dem Negotio die Bewegung und das Negotium giebt wieder denLeuten zu leben; sie stiften mehr Vorteil als Richter, Advokaten und andereGelehrte öfters nicht thun; sie bringen die nötigen Materialien zu deneinländischen Manufakturen in das Land, verlegen die Fabrikanten undversenden die überflüssigen Manufakturenwaren außer Landes. Man findetin großen Handlungsstaaten Kaufleute, welche gräfliche und fürstlicheRevenuen haben; bey diesem ihrem Reichthume und Ueberflusse wollensie auch gerne geehret seyn, Ehrenstellen im Lande bekleiden und nichteinen jeden Halbgelehrten, der mit seiner ganzen Wissenschaft oft demPubliko nicht den allergeringsten Nutzen verschaffet, nachgehen. Siewerden dahero in die Banco-See- und Handlungsgerichte, wie auch in dieRathskollegia mitgezogen. Das Metier der Kaufleute al grosso sollte, wiein Frankreich, eine adelige und independente Profession seyn, der Adelencouragiret werden, ihren Söhnen solche erlernen zu lassen, ohne daßsie von ihrem Stande, Vorzügen und Rechten etwas verlieren dürften. DerKönig Ludewig XIV. hat in dem Edict vom Jahre 1701 geordnet, daßder Adel die adeligen Vorzüge und Rechte bey dem Handel al grossoimmerfort exerciren könne, bey der en detail aber solange ruhen sollte,bis solche wieder niedergelegt wäre, alsdann würden sie in ihre vorigenRechte treten, und hätten nicht nötig, den Adel aufs Neue konformirenzu lassen. Vieler Standespersonen Vorältern haben den Adel durch dieKaufmannschaft erworben. Des Königes in Portugall Vorfahren sind ausKaufleuten Herzoge von Braganza worden, die sich endlich auf denköniglichen Trohn geschwungen und treibt der König noch dermalen den■ größten Handel. Wem ist der Ursprung der zuletzt ausgestorbenen Groß-herzoge von Toscana nicht bekannt und wodurch sie zur Regierung desLandes und des großen Reichthums gelanget? Der meiste Teil des Adelsin den Republiken erlernet die Kaufmannschaft, ohne zu glauben, dadurch
veränderten politischen und wirtschaftlichen Zuständen kein allzu großer Verlust. Breslau hatte jadurch seine Einverleibung in den preußischen Staat aufgehört, die große Handelsstadt zu sein, diees in der Zeit der Geschlechterherrschaft gewesen war, und seine Politik wurde nun nicht mehr vonkaufmännischen Rücksichten aus bestimmt. Selbst wenn die Kaufmannschaft also an der Spitze derStadtverfassung geblieben wäre, so hätte sie doch niemals mehr solche Aufgaben zu erfüllen gehabt,die früher gerade im Gegenteil es hatten recht wünschenswert erscheinen lassen, die Leitung derStadt in kaufmännisch geschulte Hände zu legen.