Druckschrift 
Lichtstrahlen beleuchtend Religion, Christenthum und Welt, aus Heinrich Zschokke's Werken
Entstehung
Seite
108
Einzelbild herunterladen
 

— 103 —

muth neben denen des reinsten Stolzes, auf. Mitwiderlicher Zwerghaftigkcit richten sich dann jeneDenkmale zwischen den riesigen Gestaltungender Natur und den großen Bewegungen derGeisterwelt auf, welche dieser oder jener Sterb-liche, als Zeugen seines Daseyns, den Jahrtausendenhinterließ. Die Obelisken und Pyramiden auch derPharaonen sind nicht mehr und nicht größer, alsdas niedrige hölzerne Kreuz auf dem Grabe einesDorfmagnaten; nur einige Spannen länger sind sie.Und, wie der Dorf-Potentat, werden die Lander-Potentaten vergessen, früher, als das letzte ihrerGebeine Staub ist. Die aber unter den Erdengöt-tern und Weltverwüstern, deren Namen bis zu unsgelangten, liegen für uns kalt und todt nur imSarge der Geschichte. Nicht ihre Thaten sind's,die unser Gemüth mit Entzücken oder Abscheu fül-len, sondern die Darstellungsweise ihrer Sanger oderGeschichtschreiber. Ohne diese waren jene nichtmehr. Ein Alexander von Macedonien, oder einWeltherr Augustus, könnten uns heut so gleich-giltig seyn, wie Shakespeare's Hamlet, oder Wie-land's Hüon von Bordeaux. Wir haben nichtsmehr von ihnen zu empfangen und mit ihnen zuschaffen. Aber wir und die uns folgenden Jahr-hunderte haben noch immerwahrend von großen Ge-setzgebern und Gottoffenbarern, von hohen Denkernund Dichtern zu empfangen. Immer noch wirkenlebendig auf uns Moses und Homer ein, Co-lumbus und die Reformatoren, Tacitus undGibbon, Franklin und Shakespeare, und wiedie Schaar der ewigen Haupter des Menschenge-schlechts Namen tragen mag. Sie bleiben unsereLehrer, Erzieher und Seelenvertraute; sie sind fürunsere Nachwelt wieder dasselbe. Sie bleiben groß,