Druckschrift 
Lichtstrahlen beleuchtend Religion, Christenthum und Welt, aus Heinrich Zschokke's Werken
Entstehung
Seite
102
Einzelbild herunterladen
 

— 102 —

Reihen der Sterblichen zuletzt nur einen Wink Got-tes für mich, nicht dem Irdischen zu sehr zu gehö-ren; ich erblickte in meinem Sohne gleichsam denEngel, der mich fester an das Ewige und Bleibendeziehen sollte. Er, der in die neuen Bahnen einge-treten war, die einst auch wir betreten, er, den ichverloren hatte, er hatte in der Metamorphose nichtsverloren, als den Staub. Er hatte schon das Bes-sere gewonnen. Denn wer mag glauben, daß dermenschliche Geist mit diesen erhabenen Anlagen, er,der sich, was kein anderes uns bekanntes Wesenkann, mit Gott selbst befreundet, gerufen wordensey in das endlose herrliche Wohnhaus Gottes, umnicht zu gewinnen, sondern sogar zu verlieren?

So dachte ich in jenen Stunden; so denke ichheute noch, und daher meine Gelassenheit, ja oftGleichgültigkeit gegen alles bunte Treiben der viel-irrenden und von ihrer thierischen Natur beherrschtenMenschen. Es wäre mir zwar nichts Quälendes,Jahrhunderte oder Jahrtausende auf Erden zu leben,denn Gott ist auch hier herrlich und wunderbar undbeseligend; aber es liegt doch auch etwas Freudigesdarin, ihm selbst naher zu kommen in irgend andernVerhältnissen höherer Vollendungen. Denn auf Er-den ist doch des drückenden Unmoralischen zu viel,und mir ist oft zu Muthe, als lebe ich mitten un-ter Barbaren, denen ich nicht einmal sagen darf,wie tief sie sich in's Schlechte verlieren, und die mirauch wahrlich nicht glauben würden.

Doch genug! Zerstreuen Sie sich. Nichtswohlthuender, als dies, für unser leidendes Gefühl.Nur so lit levius

l)uio«zuist eorriZers est nslas.

Wir müssen den Menschen um uns her zeigen,daß Religion, oder, was dasselbe ist, die wahre