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Bei Völkern, die auf höhern Bildungsstufenstehen, sogenannten civilisirten, streiten Moral undPolitik um den Vorrang, und die Religion wirdschon zu Hülfe genommen. Doch dient sie derKlugheit nur noch als Magd bei Eiden, Verträ-gen, Friedens-, Kriegs- und Handelsbündnifsen, ent-weder zur Ergänzung der Förmlichkeiten, oder zurBlendung der Völker.
Wenn die heilige Beziehung der Völker undFürsten zu Gott, wenn ein religiöser Sinn dereinstdie Vertrage und Bündnisse schließt und die Klug-heit bloß als Magd dabei dient, dann wird diemenschliche Gesellschaft einen Riesenschritt zur Selbst-vollendung und dauerhaften Glückseligkeit gethan ha-ben. Denn Klugheit hat auch die Bestie; Religio-sität allein der höhere Mensch, als unsterblichesWesen. Das Göttliche ist die Krone des Gei-sterthums.
25.
Daß ein höherer Grad der Völkergesittungmögl ich sey, wo Nationen sich selbst für das Glückanderer Nationen vergessen; wo sie in allenUebrigen ihres Gleichen sehen; wo sie in den beste-henden oder verletzten Rechten der Andern ihre ei-genen Rechte geehrt oder geschändet finden; wo siesich verpflichtet fühlen, für die Würde der Mensch-heit überhaupt thätig zu seyn; — daß ein solcherGcsittungsgrad möglich sey für Nationen, welchergebildete Christ wird es bezweifeln? — Das istdie Höhe, zu welcher empor Jesus Christus dieVölker der Erde zuerst gewiesen hat. Er, selberim Lichte der Gottheit, winkte die Menschheit zu ih-rer Vergöttlichung heran.