Druckschrift 
Lichtstrahlen beleuchtend Religion, Christenthum und Welt, aus Heinrich Zschokke's Werken
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

16 —

-M

Z6.

Christuö offenbarte ein von der Sittenlehreder Schulen oder Nationen wesentlich Verschiede-nes. Ist es gleich mit der Vernunft durchaus Eins,scheint es doch, als habe sich, ohne höhere Hülfe,die menschliche Vernunft nicht zurecht finden können.Es gab daher von jeher nicht nur Nationalreligio-nen, sondern auch Nationalmoralen.

Z7.

Denkende Manner, im Besitze der tiefsten Wahr-heiten, sind nie Schwärmer, selten nur Begeisterte.Sie denken mehr, als sie handeln. Der Begei-sterte, der Schwärmer hingegen will handeln, ob-gleich er weniger denkt, und er wirkt damit um sichher auf's Leben ein. Religiöse Schwärmer sindvon jeher thätiger gewesen, als religiöse Weltweise,was billig zu beklagen ist. Wäre nicht zumGlück, die Schwärmerei ein Rausch, der nichtdauert und sich verschlafen läßt, wie ein ariderer:es stände wahrhaftig übel um die Menschheit.

Z8.

Am geneigtesten wird der Mensch gewöhnlichgöttlichen Dingen, je weniger ihm die irdischen zu-sagen. Der Blick der Greise oder der Unglücklichenwendet sich am liebsten dem Himmel zu.

2S.

Die Einwürfe, welche man den Bibelgesell-schaften gewöhnlich wegen ihrer Thätigkeit macht,mögen nicht ganz ungegründet seyn. Es ist wohlnicht zu leugnen, daß der gemeine Mann, wenn ersich selber zur Bibel setzt, sie oft widersinnig aus-legt. Aber der die schlichte Sprache der Bibel