über den Egoismus setzt, und die Gesundheit deS Einzelne» inder Befolgung der allgemeinen Gesetze findet.
Es ist zuletzt nichts anderes, als die alte Forderung, daß derStaat als solcher keine Religion haben solle. Will man sie ver-werfen, so gibt es consequenter Weise nur zwei Wege: entwederdie Auflösung des Staates unter der Herrschaft der Kirche, nachden Sätzen der Ultramontancn, oder nach altenglischem Muster dieengste Verschmelzung desselben mit einer geschlossenen Nationalkirche.In dem ersten Falle muß man sich entschließen, die politische Sclbst-ständigkeit des Nationalvcrbandcs zu opfern, in dem zweiten, diekirchliche Gemeinschaft mit andern Ländern aufzugeben, in beiden,einer jeden (nicht bloß einer besonders schädlichen) Abweichung vonder Landeskirche alle politische Berechtigung zu entzieh». Für unsreZustände ist das AllcS nach allen denkbaren Rücksichten unzulässig;es bleibt also nichts Anderes übrig, als Einschränkung 'der Kircheauf das Gebiet deS religiösen Glaubens, und Autonomie der Poli-tik in allen Verhältnissen der bürgerlichen Gesellschaft.
Wird dieser Standpunkt überall festgehalten, so kann zunächstkeine Rede mehr von einer drückenden Hoheit des Staates überGlaubenssachen sein, und eben so wenig zeigt sich eine Möglichkeit,daß eine Confession über ungesetzliche Bevorzugung der andern durchden Staat noch Klage führen konnte. Auch fürchte man nicht,daß bei dieser Auffassung der Staat jedes idealen Gehaltes beraubt,entleert und vcrnüchtert werde. Sein Verhältniß zur Kirche würdedann kein anderes sein, als wie er es, uns Allen geläufig, zu denübrigen Factoren deS geistigen Lebens, zu Kunst und Wissenschaftbereits eingenommen hat. Hier begnügt er sich, die eingetretenenWirkungen auf die materiellen Verhältnisse zu controliren, und, demjedesmaligen Inhalte der Cultur entsprechend, durch Erziehung undUnterricht die heranwachsenden Geschlechter in jene Kreise einzufüh-ren. Wer auf diese Art der Religion, der Litteratur und der Kunstdas Haus gründet und ausbaut, in dem sie vor Wind und Wetterdie sichere und feste Stätte finden, der braucht nicht selbst nach Pin-sel, Feder oder Brevier zu greisen, um des geistigen Werthes seinesBerufes sicher zu sein.